25. Feb. 2026 · 
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Allensbach-Umfrage zeigt gleichstarkes Ergebnis von CDU und SPD in Niedersachsen

Wie gut ist Olaf Lies ein knappes Jahr nach Übernahme der Regierung bei den Wählern angekommen? Die Befragten von Allensbach verhalten sich dazu betont zurückhaltend.

Stellen den "Niedersachsen-Trend 2026" vor: 3QM-Geschäftsführer Volker Schmidt und die live dazugeschaltete Allensbach-Chefin Renate Köcher. | Foto: Link

Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahlen wären, läge die CDU landesweit mit 27 Prozent vorn – dicht gefolgt von der SPD mit 26 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der Drei-Quellen-Mediengruppe. Zwischen dem 12. und dem 29. Januar wurden landesweit 1064 Personen befragt – teilweise in persönlichen Interviews, teilweise online. Ausgewählt wurde ein repräsentativer Querschnitt der Wahlbevölkerung. Danach folgte die Auswertung. Demnach wäre die drittstärkste Kraft die AfD mit 21 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 10 Prozent, der Linkspartei mit 7 Prozent und der FDP, die mit lediglich 3 Prozent den Einzug in den Landtag verfehlen würde. Gegenüber dem Dezember 2024, als letztmalig eine Allensbach-Umfrage für Niedersachsen veröffentlicht wurde, sind das einige Verschiebungen. Damals hatte die CDU bei 33 Prozent gelegen, die SPD bei 27 Prozent, die AfD bei 16 Prozent und die Grünen bei 10 Prozent.

CDU und SPD liegen in der Sonntagsfrage fast gleichauf. Die AfD kommt näher. | Grafik: Allensbach

Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, wies auf die aktuellen Entwicklungen hin, die durchaus Auswirkungen auf Wahlabsichten haben können, aber eben nicht müssen. So wage sie derzeit keine Prognose, wie sich die AfD-Zahlen entwickeln würden. Die Vorwürfe, Verwandtschaftsbeziehungen und politische Ämter verknüpft zu haben, könnten sich negativ auf die Wahlabsichten auswirken – oder auch an der AfD abprallen, wie bereits andere offene Debatten an ihr abgeprallt seien. Was das BSW angeht, das in Niedersachsen derzeit keine Rolle spielt und wohl weniger als 3 Prozent bekäme, gelte auch das Gebot der Vorsicht. Gerade kleine Parteien hätten oft einen Höhenflug, der rasch wieder verpuffen könne. Der Hype der Linken, die zeitweise als erledigt gegolten habe, beweise dies. Nach aktuellen Prognosen könnte die Linkspartei wieder eine Fraktion im Landtag stellen, so wie zuletzt zwischen 2008 und 2013. Wenn die Umfrage am Wahltag Realität würde, hätte Rot-Grün keine Mehrheit mehr, auch ein Bündnis von CDU und Grünen nicht. Nach den aktuellen Zahlen läge dann eine Große Koalition sehr nah.

Allensbach hat auch nach der Bekanntheit der Landespolitiker gefragt. Ministerpräsident Olaf Lies läge mit 70 Prozent klar vorn. Köcher sagte dazu, bei allen Landespolitikern sei es eben häufig nur der Ministerpräsident, der eine gewisse Bekanntheit erreichen könne. In der Niedersachsen-Liste der bekanntesten Politiker folgen die Minister Grant Hendrik Tonne (Wirtschaft) und Daniela Behrens (Innen) auf dem zweiten und dritten Rang mit je 36 Prozent, danach kommt Sozialminister Andreas Philippi mit 30 Prozent und Kultusministerin Julia Hamburg mit 27 Prozent. Oppositionsführer Sebastian Lechner folgt auf Rang sechs mit 24 Prozent, danach schließen sich die Minister Christian Meyer (18 Prozent), Miriam Staudte und Falko Mohrs (je 10 Prozent) an, danach Gerald Heere mit 9 Prozent. Dann folgen der AfD-Landesvorsitzende Ansgar Schledde (8 Prozent), Justizministerin Kathrin Wahlmann (7 Prozent) und die Grünen-Vorsitzende Greta Garlichs (5 Prozent). Schlusslicht ist Europaministerin Melanie Walter (5 Prozent).

Was Lies angeht, hat Allensbach bei den Befragten eine gewisse Zurückhaltung festgestellt. „Sie kennen ihn, trauen sich aber noch kein Urteil über ihn zu“, erklärte Köcher. So haben 24 Prozent angegeben, er sei „ein guter Nachfolger für Stephan Weil“, 16 Prozent haben das verneint. Die übergroße Mehrheit (60 Prozent) wollte sich in dieser Frage nicht festlegen. Unter denen, die sich als potenzielle SPD-Wähler bezeichnen, war das Bild etwas anders: 43 Prozent nannten ihn einen „guten Nachfolger“, 9 Prozent widersprachen – und 48 Prozent wollten zu dieser Frage keine Antwort geben.

Grafik: IfD Allensbach

In der Rangfolge der drängendsten Probleme landet „zu viel Bürokratie“ mit 63 Prozent auf dem Spitzenplatz, gefolgt vom Ärztemangel auf dem Land (58), zu hohen Mieten (55), reparaturbedürftigen Straßen (52), schlechten Kommunalfinanzen (51), wirtschaftlichen Problemen vieler Betriebe (50), Fachkräftemangel (46), hoher Kriminalität (41), ÖPNV-Sorgen (40) und Problemen in Schulen und bei der Kinderbetreuung (36). Köcher hob hervor, dass die mangelhafte Ärzteversorgung vor allem auf dem Land ein immer größeres Gewicht bekomme. Auffällig sei auch, dass die Problemlagen zwischen Städten und ländlichen Gegenden doch recht unterschiedlich seien. In den Städten spielten hohe Immobilienpreise, hohe Lebenshaltungskosten, viel Verkehr und eine hohe Kriminalität eine wichtige Rolle. In ländlichen Gegenden rege die Leute der schlechte Bus- und Bahnverkehr auf, fehlende Altenheime, zu wenig Ärzte und nicht ausreichende Einkaufsmöglichkeiten. 2023 hätten noch 57 Prozent der Befragten angegeben, die Gesundheitsversorgung sei sehr gut – inzwischen seien es nur noch 51 Prozent. Dass es wegen des von der Zuwanderung geprägten Stadtbildes ein Problem gebe, bestreiten 66 Prozent der Befragten in den Dörfern, bejahen aber gleichzeitig 64 Prozent der Stadtbewohner. 39 Prozent der Eltern von Schulkindern geben an, die Lage an den Schulen sei gut – 40 Prozent verneinen das. Mit „schlecht“ antworten elf Prozent, mit „sehr gut“ nur vier Prozent.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #038.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

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