12. Juni 2023 · 
Parteien

AfD-Kandidat will Ausstieg aus EU und sieht im Euro ein „Todesurteil für den Wohlstand“

Noch hat die niedersächsische AfD nicht entschieden, wen sie für die vermutlich aussichtsreichsten zehn Listenplätze auf der AfD-Bundesliste zur Europawahl 2024 vorschlagen will. Allerdings hat der Landesvorstand bereits eine Präferenz abgegeben – zugunsten des noch relativ jungen Unternehmers Micha Fehre aus Hannover.

Politiker Micha Fehre ist beim AfD-Stammtisch in Hannover mit seinen Aussagen zur deutschen Jugend und der Zukunft der EU aufgefallen. | Foto: Screenshot YouTube

Der Bewerber, der vom in der AfD einflussreichen Kreisverband Hannover gefördert wird, hat bereits mit mehreren radikalen Botschaften in der eigenen Partei für Aufsehen gesorgt. Die Runde macht beispielsweise ein Video-Mitschnitt seiner Rede beim „AfD-Stammtisch“ in Hannover Anfang Juni. Darin beklagte er sich über angebliche „Fehlentwicklungen der deutschen Jugend“ und erklärte, mit seinem politischen Engagement wolle er nun „retten, was zu retten ist“. Dann fügte er hinzu: „Den Höhepunkt dieser Schandtaten können wir vor allem auch in der EU erkennen, welche die deutsche Wirtschaft durch den Währungsverbund und die Europäische Zentralbank systematisch zerstört, sodass eine weitere Mitgliedschaft für Deutschland und seine Steuerzahler nicht weiter zumutbar ist.“ 

AfD-Politiker Fehre spricht sich für Abkehr vom Euro aus

Fehre empfiehlt in seinem Vortrag, der auch als eine Art parteiinterne Bewerbungsrede für einen guten EU-Listenplatz zu verstehen ist, nicht nur den Austritt Deutschlands aus der EU und die Abkehr vom Euro. Er greift zugleich zu einer Wortwahl, die an rechtsextremistische Positionen erinnert. Im späteren Verlauf sagt er, es gebe in der jüngeren Generation „noch viele, deren Köpfe noch nicht gewaschen und konditioniert worden sind“. Als junger Unternehmer wolle er „nicht tatenlos zusehen, wie das Land vor die Hunde geht“. Auch die Schärfe seiner Abgrenzung zur EU klingt auffällig radikal: Die EU habe „nichts mehr mit einer lebendigen Wirtschaft zu tun“, sie entwickele sich „mehr und mehr zu einer Öko-Diktatur“.


https://youtu.be/4UKc4M9xeYM

Dann fügt er „Lösungsvorschläge“ an. So solle Deutschland „die Sauerei mit den Target-Salden beenden“ und interne Forderungen im Verbund der Euro-Staaten in Höhe von 1,2 Billionen Euro „sofort mit Gold oder Staatsbesitz unterlegen“. Es dürfe „weitere Geldspritzen an andere Länder nicht mehr geben“. Fehre meint damit die internen Geldströme der Zentralbanken der Euro-Staaten, die sich bisher stark verschoben haben und zu Forderungen Deutschlands gegenüber anderen Ländern wie Italien geführt haben. Von Wirtschaftsexperten wird allerdings bestritten, dass dieses Target-System tatsächlich zu einer Belastung der deutschen Wirtschaft führt. Einige meinen, es handele sich nur um ein reines Verrechnungssystem. 

„Wenn erst das Eis gebrochen ist und die kritische Masse erreicht ist, dann rollen wir als blaue Welle durch die Nation und holen uns Stück für Stück unser Land zurück.“

In seinem Vortrag bezieht Fehre eine andere Haltung, für ihn ist der Euro „nur durch massive Vermögenstransfers von Deutschland in die schwächeren Euro-Staaten überlebensfähig“. Der Euro sei damit „ein Todesurteil für den deutschen Wohlstand“. Deutschland solle auch den „Green Deal“ der EU stoppen und aus der EU austreten. Dann fügte er noch hinzu: „Wenn erst das Eis gebrochen ist und die kritische Masse erreicht ist, dann rollen wir als blaue Welle durch die Nation und holen uns Stück für Stück unser Land zurück.“ Auf seiner Facebook-Seite geht Fehre hart gegen den Plan an, den Euro ab 2026 als digitales Zahlungsmittel einzuführen. Damit stehe dann „die moderne Versklavung kurz bevor“, meint er und spekuliert, dann würden nur noch Menschen Geld erhalten, „die durch konformes Verhalten ,social credits‘ erworben haben.“



Welche Chancen Fehre in der AfD haben wird, zumal er sehr radikale Töne anschlägt, lässt sich derzeit nicht abschätzen. In der niedersächsischen AfD hat es schon Vorwürfe gegeben, der junge Kandidat aus Hannover sei vom eigenen Kreisverband massiv unterstützt worden – sogar unter Missachtung von parteiinternen Transparenzregeln. Vor einigen Wochen hatten sich etwa sechs Bewerber vorgestellt, die sich um einen guten Platz auf der AfD-Bundesliste für die Europawahl interessieren. Diese Bundesliste wird Anfang Juni bei einer Aufstellungsversammlung in Magdeburg von der Bundes-AfD beschlossen. Unter den sechs Bewerbern war neben dem in der AfD bekannten Uwe Wappler auch Fehre, und nach Teilnehmerangaben hatte sich die überwiegende Mehrheit der Kreisvorstände für ihn ausgesprochen. Fehre hat – teilweise zusammen mit seinem Bruder – eineFirma zum Aufbau von Online-Plattformen zum Handel (etwa mit Edelsteinen, Pflegeprodukten und Sportartikeln) betrieben, er war auch Geschäftsführer einer Firma, die Vermögensbeteiligungen von ausländischen Unternehmen betreut hat.

Dieser Artikel erschien am 13.6.2023 in Ausgabe #105.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

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