
Die AfD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat den Gifhorner Abgeordneten Stefan Marzischewski-Drewes mit sofortiger Wirkung aus ihren Reihen ausgeschlossen. Fraktionschef Klaus Wichmann begründete den Schritt am Montag damit, dass Marzischewski-Drewes in der vergangenen Woche aus der Partei ausgetreten sei. Der Abgeordnete widerspricht dieser Darstellung jedoch entschieden. „Ich selbst habe jedoch keinerlei Austrittserklärung unterzeichnet oder abgegeben“, teilte Marzischewski-Drewes dem Politikjournal Rundblick mit. Am Montagvormittag habe er per E-Mail die Mitteilung erhalten, dass er „kein Mitglied der AfD mehr“ sei. Diese sei mit „Carsten Hütter, Bundesschatzmeister“ unterzeichnet gewesen. Allerdings war Hütter bereits Anfang Juli auf dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt als Bundesschatzmeister abgelöst und durch Hannes Gnauck ersetzt worden. „Offensichtlich möchte man mich loswerden, um sich nicht mit meinen zahlreichen Klagen vor dem Landesschiedsgericht Niedersachsen weiter beschäftigen zu müssen“, vermutet Marzischewski-Drewes. Seit November 2025 habe er dort nach eigenen Angaben mehr als 15 Verfahren angestrengt. „In den Klagen geht es um elementare Dinge der innerparteilichen Demokratie und Transparenz, die man offenkundig in der ,Schledde-AfD‘ fürchtet.“
Wichmann forderte Marzischewski-Drewes zudem auf, sein Landtagsmandat „unverzüglich“ zurückzugeben. Er habe das Mandat als AfD-Mitglied und im Vertrauen der Parteimitglieder auf eine Arbeit im Sinne der Partei erhalten. Zugleich verwies der Fraktionschef auf das seit Längerem angespannte Verhältnis zu dem Abgeordneten. „Mit öffentlichen Aussagen, auf die man nur mit Kopfschütteln reagieren konnte, hat er sich zunehmend gegen diese positioniert. Zu Gesprächen hierüber war er nicht bereit“, erklärte Wichmann. Die Aufforderung zur Mandatsrückgabe weist Marzischewski-Drewes zurück. „Ich werde mein freies Mandat im Niedersächsischen Landtag weiterhin verantwortungsvoll und ausschließlich dem Wohl der Bürgerinnen und Bürger verpflichtet ausüben“, erklärte er. Zugleich rief er die übrigen Abgeordneten des Landtags dazu auf, gemeinsam mit ihm eine neue Fraktion zu bilden.
Der Konflikt zwischen Marzischewski-Drewes und seiner Partei schwelt seit Monaten. Mitte Juni hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion öffentlich auf ein gegen ihn eingeleitetes Parteiausschlussverfahren reagiert und schwere Vorwürfe gegen den AfD-Kreisverband Gifhorn sowie den niedersächsischen Landesverband um den Landesvorsitzenden Ansgar Schledde erhoben. Anfang Juli wurde die Entfremdung auch auf einem Kreisparteitag im Landkreis Gifhorn deutlich: Marzischewski-Drewes scheiterte mit mehreren Anträgen zur Tagesordnung und verließ anschließend die Versammlung. Führende Vertreter des Kreisverbands machten dort deutlich, dass sie ohne ihn in die Kommunalwahl 2026 und die Landtagswahl 2027 gehen wollen.


