(rb) Niedersachsens Hochschul- und Kulturministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić ist mit der seit Oktober 2015 vom Land zusätzlich angebotenen Sprachförderung für erwachsene Flüchtlinge recht zufrieden, sieht allerdings Verbesserungsbedarf bei der Koordination der verschiedenen Angebote vor Ort sowie beim möglichst schnellen, unbürokratischen Zugang zu den Kursen. Die für Mitte März geplante Auftaktkonferenz des Bündnisses „Niedersachsen packt an“ soll u.a. dazu dienen, sich einen Überblick über die Sprachförderstrukturen in den einzelnen Kommunen zu verschaffen. Ziel ist es, Kurse und Maßnahmen, die jetzt auch von den Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Hochschulen, von Lehramtsstudenten und qualifizierten Ehrenamtlichen angeboten werden, besser mit anderen Integrationsmaßnahmen zu harmonisieren und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen abzustellen, um möglichst vielen Menschen auch in der Fläche des Landes beim Einstieg in eine Ausbildung, ein Studium oder in den Arbeitsmarkt zu helfen.
Aus Sicht von Heinen-Kljajić muss darüber hinaus aus den diversen Programmen auf Landes- und Bundesebene „eine lückenlose Förderkette“ geformt werden. „Es nützt uns wenig, wenn der Bund den Einstieg in die Sprachförderung verspricht, wir aber im Land praktisch keine Entlastung spüren“, kritisierte sie am Mittwoch vor der Landespressekonferenz in Hannover. Solange die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration erst nach der Asylantragstellung und lediglich für Menschen aus vier Herkunftsländern offenstünden, sich die hohen räumlichen und personellen Standards nicht änderten, werde der Bund den aktuellen Herausforderungen nicht gerecht.
Unabhängig davon bewertete die Ministerin das von ihr im vergangenen Jahr aufgelegte Programm zur Förderung von Sprachkompetenz der über 21-jährigen Flüchtlinge und Asylsuchenden, für das 5,7 Millionen Euro im Landesetat 2015 eingeplant waren sowie über zehn Millionen Euro in diesem Jahr zur Verfügung stehen, „durchweg positiv“. Nach ihren Angaben wurden 2015 rund 700 Sprachkurse landesweit in den Einrichtungen der Erwachsenenbildung auf den Weg gebracht. Mehr als 5800 Flüchtlinge absolvieren derzeit einen Sprachkurs des Landes. Von den insgesamt 685 Kursen haben 293 bereits begonnen, die weiteren befinden sich in Vorbereitung und werden in Kürze starten. Bis zum ersten Quartal 2016 werden damit insgesamt 14 500 Flüchtlinge erreicht.
Eine große Nachfrage verzeichnet auch das auf hochqualifizierte Flüchtlinge zugeschnittene Angebot zur Vorbereitung auf ein Hochschulstudium. Gleiches gilt offenbar für das Programm für Lehramtsstudierende, die im Rahmen ihres Betriebs- und Sozialpraktikums Sprachförderung für junge Flüchtlinge anbieten. Im vergangenen Jahr haben sich 1100 Studierende dafür gemeldet, von denen bereits rund 500 qualifiziert wurden. Auf hohe Resonanz trifft auch die Fortbildungsoffensive für Ehrenamtliche. Der erste Lehrgang, der in wenigen Tagen startet, ist ausgebucht.
Nach ersten Rückmeldungen aus den Volkshochschulen hat das Ministerium einen vorläufigen Überblick über die Bildungsqualifikationen der teilnehmenden Flüchtlinge. „Es kommen weder ausschließlich Ärzte und Ingenieure nach Niedersachsen noch stimmt das Szenario von lauter ungelernten Kräften“, betonte Heinen-Kljajić. Vielmehr zeige sich ein differenziertes Bild „vom Analphabeten bis zum hochqualifizierten Hochschulabsolventen“: Zu jeweils einem geschätzten Drittel müssten Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt oder für einen Schulabschluss qualifiziert werden. Ein weiteres Drittel habe Bedarf an Grundbildung und Alphabetisierung. Zentrale Aufgabe in diesem Jahr sei es, alle Flüchtlinge entsprechend ihres bisherigen Bildungswegs zu fördern und auch den Menschen ohne Abschluss einen Weg in Ausbildung und Weiterqualifizierung zu ebnen. Die Förderschwerpunkte für das Jahr 2016 werden auf der Vermittlung von Sprachgrundkenntnissen in der Erwachsenenbildung, auf Sprachkursen zur Studienvorbereitung und in der Erweiterung der Kapazitäten des Studienkollegs um 200 zusätzliche Plätze liegen. Außerdem soll Studierenden zusätzliche Qualifizierung für die Vermittlung von Deutschkenntnissen angeboten werden, mit der möglicherweise weitere Zielgruppen erreicht werden können, kündigte die Ministerin an. briDieser Artikel erschien in Ausgabe #19.