3. Juni 2016
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Zur Sache: Die Gläserne Decke sprengen

(rb) Gleiche Chancen für Männer und Frauen im Studium, in den Gremien, in Lehre und Forschung, Karrierebarrieren für Akademikerinnen beseitigen – die niedersächsischen Hochschulen sind auf gutem Weg. Erneut ist es Niedersachsens Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić gelungen, auf Augenhöhe mit den Hochschulen und deren Spitzengremien ein existenzielles Anliegen voranzutreiben, nämlich intensiv an der Umsetzung einer „geschlechtergerechten Hochschulkultur“ zu arbeiten. Im Juni 2014 startete die gleichnamige „Dialoginitiative“. Sie ist Teil des Hochschulentwicklungsvertrages sowie der Zielvereinbarungen und fußt u.a. auf dem Landeshochschulgesetz, nach dem eine Beteiligung von mindestens 40 Prozent Frauen in den Gremien, insbesondere in den Berufungskommissionen, angestrebt wird. Nach einem Jahr Austausch hat das Forum drei besonders relevante Handlungsfelder identifiziert und im Folgejahr 2015 in entsprechenden Workshops erörtert: Personalentwicklung, Führungs- und Beteiligungskultur. Die Ergebnisse mündeten in acht recht konkrete Handlungsempfehlungen, die das Wissenschaftsministerium, die Landeshochschulkonferenz und die Hochschulfrauenbeauftragten gemeinsam erarbeitet haben. Diese wurden am Donnerstag während der Abschlussveranstaltung der auf zwei Jahre begrenzten Dialogphase in Hannover vorgestellt. Um geschlechtergerechte Personalentwicklungskonzepte auf den Weg zu bringen, sollen die Hochschulen in den kommenden drei Jahren deutliche Anstrengungen unternehmen, um die geschlechtersensible Führungsverantwortung zu stärken, mehr Frauen in Leitungsfunktionen zu bringen und die geschlechterbedingte Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) zu beseitigen. Die Wissenschaftsministerin, der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz, Prof. Wolfgang- Uwe Friedrich (Uni Hildesheim), und die Vorsitzende der Landeskonferenz niedersächsischer Hochschulfrauenbeauftragter, Brigitte Just, sind sich einig, dass gleiche Chancen für Akademikerinnen nicht nur eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für die Gewinnung wissenschaftlichen Nachwuchses sind. Zwar stehen die niedersächsischen Hochschulen nach Ansicht der Beteiligten bei ihrer geschlechtergerechten Organisations- und Führungskultur nicht bei Null und bereits deutlich besser da als viele privatwirtschaftliche Unternehmen. „Wir sind aber beileibe noch nicht so weit gekommen, dass wir zufrieden sein könnten“, betonte Ministerin Heinen- Kljajić am Donnerstag. Im Zuge der Dialogphase wurden diverse Daten an den Hochschulen erhoben: Danach liegt in Niedersachsen die Quote der weiblichen Doktoranden zwar schon bei 46 Prozent, allerdings dümpelt der Frauenanteil bei den Professuren noch immer bei mageren 25 Prozent. In der höchsten Besoldungsstufe W4 mischen lediglich 21 Prozent Frauen mit. Die Neueinstellung von Professorinnen in den vergangenen zwei Jahren war sogar rückläufig: An den Universitäten sank der Anteil von 36 auf 32 Prozent, an den Fachhochschulen sogar von 32 auf 23 Prozent. Was die Ministerin aber geradezu schockiert hat ist, dass Professorinnen in Niedersachsen seltener und in geringerem Umfang Leistungsbezüge erhalten. Hier steht ein Minus von satten 36 Prozent im Raum. In drei Jahren sollen diese Daten erneut erhoben werden. Bis dahin sollen die Hochschulen für alle Beteiligten sichtbar Prozesse anschieben, die am Ende die „gläserne Decke“ sprengen, an der auch oder gerade Akademikerinnen noch immer scheitern. Als Instrumente werden ganzheitliche Personalkonzepte, zusätzliche Promotions- und Mentoringprogramme, die Schaffung von Einstiegsprofessuren und Kontaktstellen für Ehemalige (Fachhochschulen), Graduiertenkollegs und Tandem-Projekte (künstlerische Hochschulen), aber auch die konsequente Schulung in geschlechtergerechter Führung empfohlen. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #106.
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