29. Sept. 2015
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Zum Tage: Neuer Versuch auf Augenhöhe

(rb) Die Technische Universität Braunschweig und die Leibniz Universität Hannover (LUH) werden wie angekündigt mit Beginn des kommenden Jahres eine zunächst auf fünf Jahre begrenzte Wissenschaftsallianz eingehen. Damit läuft das zur Jahrtausendwende entstandene „Consortium Technicum“ aus, an dem auch die Universität Clausthal beteiligt war und das 2009 in die Gründung der Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH) mündete. Nach sechs Monaten intensiver Abstimmung zwischen den beiden Hochschulen und dem Land liegt nun der „Masterplan“ für ein neues Kooperationsmodell auf dem Tisch. Am Montag unterzeichneten Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić sowie die Präsidenten der TU und der LUH, Prof. Jürgen Hesselbach und Prof. Volker Epping, eine entsprechende Vereinbarung, die drei gemeinsame Forschungslinien umfassen soll: Mobilität, Quanten- und Nanomessung sowie Lebenswissenschaften (Smart Bio Tecs). Die beiden großen Hochschulen wollen damit ihre ingenieur- und naturwissenschaftliche Exzellenz in Forschung und Lehre bündeln, aber auch eng mit anderen Hochschulen wie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und außeruniversitären Einrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Hannover oder der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zusammenarbeiten. Mit dem Start einer koordinierten Entwicklungsstrategie für die Wissenschaftsregion Braunschweig-Hannover endet zugleich die Geschichte der von der Vorgängerregierung ersonnenen NTH. Bereits zum 1. Januar 2015 wurde das entsprechende Landesgesetz ruhend gestellt, vor Ablauf dieses Jahres soll es ganz außer Kraft treten. Für den Hochschulstandort Clausthal wird an einem eigenen „Masterplan“ gearbeitet, der ebenfalls noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Die Beteiligten sind überaus optimistisch, dass die künftige Allianz der Hochschulstandorte Braunschweig und Hannover den gewünschten Erfolg vor allem auch beim Einwerben von Forschungsgeldern auf Bundesebene und im internationalen Wettbewerb bescheren wird, da man aus den „Geburtsfehlern“ der NTH gelernt habe: An die Stelle einer von oben verordneten, eher hinderlichen Administration trete nun eine schlanke Struktur. Zugleich sei die künftige, bewusst nicht in Gesetzesform gegossene Kooperation von den Wissenschaftler/innen der beteiligten Institute sowie von den Senaten und Präsidien der beiden Unis gemeinsam entwickelt worden und werde von diesen voll mitgetragen. Die Kooperation habe von Anfang an keinen Anspruch darauf erhoben, ein fertiges Konstrukt zu liefern, sondern werde dem experimentellen Charakter der Wissenschaft gerecht. Jetzt gelte es, den Schwung zu nutzen, der auf der Arbeitsebene entstanden sei, betonte Braunschweigs Uni-Präsident Hesselbach. Beide Präsidenten sind sich einig, dass sich die gemeinsamen Forschungslinien ideal ergänzen. Nun wird es vor allem darauf ankommen, wie ernst es den beiden Präsidien damit ist, auf Eifersüchteleien und Dominanzgehabe zu verzichten und die beschworene Kultur der Augenhöhe zwischen Hannover und Braunschweig auch zu pflegen. Zum anderen muss sich zeigen, ob sich die Organisation dieser Wissenschaftsallianz als praktikabel und effizient erweist. Vereinbart wurden der jährlich wechselnde Vorsitz sowie ein Vorstand aus den Präsidenten, deren Vizes sowie den Sprechern der Forschungslinien, die allerdings nur beratende Stimme haben sollen. Die beiden mit je einer Personalstelle geplanten Geschäftsstellen sollen zugleich die Geschäftsführung der Forschungslinien übernehmen. Das Wissenschaftsministerium begnügt sich mit der Vorlage regelmäßiger Berichte aus der Allianz und wird auch nicht zwingend in dem Wissenschaftlichen Rat vertreten sein, der durch die Mitglieder der Forschungslinien, also aus den beteiligten Instituten, gewählt wird. Ein großes Fragezeichen steht noch vor der Anschubfinanzierung für die Allianz: Zwar hat die Wissenschaftsministerin den beiden Universitäten insgesamt 27 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre und damit deutlich mehr in Aussicht gestellt, als die NTH einst hatte – 25 Millionen Euro für drei Hochschulen. Allerdings soll diese Summe aus dem VW-Vorab kommen, das durch den Abgas-Skandal bei dem Wolfsburger Automobilkonzern Volkswagen nicht mehr als sichere Bank gilt. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #177.
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