19. Nov. 2015
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Zum Tage: Leben mit dem Terror

(rb) Für die Menschen in Deutschland, insbesondere für die Niedersachsen, ist nach den perfiden Pariser Morden durch die Terror-Organisation „Islamischer Staat (IS)“ endgültig eine neue Zeit angebrochen. Nachdem am Dienstagabend in der Landeshauptstadt das Freundschaftsspiel zwischen der niederländischen und der deutschen Nationalmannschaft kurz vor dem Anpfiff abgesagt, das hannoversche Fußballstadion geräumt wurde und die Innenstadt fast hermetisch von schwer bewaffneten Einsatzkräften der Bundes- und der Landespolizei bis in die Morgenstunden abgeriegelt blieb, dürfte zumindest allen Bürger/innen und Gästen dieser ansonsten eher beschaulichen Metropole klar sein, dass der Terror direkt vor ihrer Haustür angekommen ist. Und dass verblendete Islamisten sie in der gewohnten Umgebung jederzeit tödlich treffen könnten – im Stadion, in der Kneipe, im Restaurant, in der Konzertarena, in Bus oder Bahn, beim Einkaufen. Obwohl Hannover am Dienstagabend zum Glück und offenbar auch dank umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen nicht zum zweiten Paris wurde, kein Sprengstoff explodierte, keine Schüsse fielen, keine Toten und Verletzten zu beklagen sind, lautet die Zeitrechnung jetzt nicht nur „vor und nach Paris“, sondern auch „vor und nach Hannover“. Welche Lehren die Landesregierung daraus zieht, machten Ministerpräsident Stephan Weil und Innenminister Boris Pistorius am Mittwoch vor der Landespressekonferenz deutlich. Das allgemeine Risiko von Terrorakten dürfe nicht dazu führen, „dass wir unsere Art zu leben eingrenzen“, mahnte Weil. Die Sicherheitslage in Niedersachsen sei „stabil“. Die Menschen seien gut beraten, alle miteinander aufmerksam gegenüber Extremismus jeglicher Art zu sein, den Sicherheitsbehörden zu vertrauen, gemeinsam eine freie, offene Gesellschaft zu verteidigen und sich nicht im vorauseilenden Gehorsam einschränken zu lassen. „Ich werde mich jedenfalls nicht in mein Schneckenhaus zurückziehen“, betonte der Regierungschef. Sowohl Weil als auch Innenminister Pistorius bekräftigten, dass die Hinweise der Bundesbehörden auf eine Gefahrenlage rund um das Freundschaftsspiel in Hannover so „konkret und überzeugend“ waren, dass es keine Alternative zur Absage der Partie und zur Räumung des Stadions gegeben habe. Beide zollten den Sicherheitskräften und der Polizei Hochachtung und Respekt für ihren umsichtigen Einsatz, lobten aber auch die Gelassenheit der Menschen, die zügig, aber ohne Panik das Stadion verließen und den Anweisungen der Einsatzkräfte folgten. Pistorius ließ gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass Deutschland und damit auch Niedersachsen vom IS als Feind klassifiziert wird. Gleichwohl gebe es trotz Paris und Hannover keine „akute“, sondern nach wie vor nur eine „allgemeine“ Terrorgefährdung. Diese werde auch künftig dazu führen, dass im Vorfeld jeder einzelnen Großveranstaltung die Sicherheitslage neu bewertet werde und entsprechende Konsequenzen gezogen würden, ohne in Panik zu verfallen. Für die bevorstehenden Bundesligaspiele gebe es bisher keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung. Gleiches gelte für Weihnachtsmärkte, beruhigte Pistorius. Auf Nachfrage kündigte er an, dass die Ansprache und Überwachung bekannter Islamisten und zurückgekehrter IS-Kämpfer in Niedersachsen intensiviert werde. „Wir haben die Gefährder auf dem Kieker“, versicherte der Innenminister. Für ein spezielles Anti-Terrortraining von „normalen“ Einsatzkräften sieht er dagegen keinen Anlass. Die Sondereinsatzkommandos seien gut aufgestellt, meinte Pistorius. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #214.
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