(rb) Im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium wird mit Hochdruck an einem Konzept gearbeitet, das die Stimmung im Haus nachhaltig aufhellen soll. Wie jetzt bekannt wurde, hat die grüne Hausspitze einige Ideen entwickelt, die allen Beschäftigten des Ministeriums zugutekommen und die das Gesamtklima innerhalb des Ressorts positiv beeinflussen sollen. Damit reagiert die Führungsriege offenbar auf den massiven Unmut, der sich seit der Amtsübernahme durch Minister Christian Meyer bei den Beschäftigten aufgestaut hat und bereits vor einem gutem Jahr auf diversen „Meckerzetteln“ an den Personalrat dokumentiert wurde. Dem Vernehmen nach will Agrar-Staatssekretär Horst Schörshusen während der Personalversammlung am kommenden Donnerstag ein „Gute Laune-Programm“ präsentieren.
Um dem vielfach geäußerten Vorwurf zu begegnen, Leitungspositionen wie zum Beispiel die Spitzen der Abteilungen 1 und 2 würden seit dem Regierungswechsel nach „grüner Gutsherrenart“ mehr oder minder ungeniert nach entsprechendem Parteibuch vergeben, sollen vakante Stellen künftig nach einem anonymisierten Bewerbungsverfahren besetzt werden. Interessenten hätten damit die Garantie, dass zumindest bei der ersten Auswahlrunde weder ihr Geschlecht und ihre Herkunft noch ihre Gesinnung eine Rolle spielen, sondern lediglich ihre nachweislichen Fachkompetenzen und bisherigen Beurteilungen. Offenbar ist geplant, die seit längerem vakante Leitung des Referats 206 (Wirtschaftlicher Verbraucherschutz) erstmals nach dem neuen Procedere zu besetzen. Der Personalrat soll hoch erfreut sein über diese Idee.
Darüber hinaus wird künftig direkt in der Lobby des Landwirtschaftsministeriums ein „Meckerkasten“ aufgestellt, in dem die Beschäftigten zwar unter den Blicken des Pförtners, dennoch anonym formlos Zettel mit Kritik und Anregungen loswerden können. Diese sollen dann zeitnah beim Jour Fixe des Staatssekretärs mit dem Personalrat besprochen und entsprechende Konfliktlösungen zügig der gesamten Belegschaft per Rundmail mitgeteilt werden. Wer sich durch versehentliches Nichtgrüßen oder ostentatives Siezen durch die Hausspitze zurückgesetzt fühlt, darf sich künftig einen „Seelentröster“ beim Pförtner abholen. Dabei handelt es sich um kleine rosa Schweinchen mit grüner Zuckerguss-Aufschrift „Schwein gehabt!“, die das Ministerium zur Stärkung des Tierwohl-Gedankens und zur Eindämmung der Massentierhaltung in Niedersachsen seit einiger Zeit aus nachhaltig produziertem Bio-Marzipan herstellen lässt und bei passenden Gelegenheiten verschenkt. Wer meint, mindestens zehn Mal in Folge durch den Minister oder den Staatssekretär nicht gebührend beachtet worden zu sein, darf sich ein handsigniertes Buch aussuchen. Zur Wahl stehen zwei Taschenbuchausgaben, die Autor Schörshusen in den Jahren 2008 und 2009 veröffentlicht hat: „Der Sinn des Ganzen: Worauf kommt es im Leben wirklich an?“ oder „Wellen-Ich und Punkt-Ich: Eine neue Philosophie zum Sinn des Ganzen“.
Um das Arbeitsumfeld noch freundlicher und angenehmer zu gestalten, soll es im Ministerium künftig auf jedem Stockwerk eine Teeküche inklusive fair gehandelter Gratis-Bioteebeutel sowie Espresso-Maschine (selbstverständlich keine Kapselautomaten) geben. Außerdem will der Staatssekretär am Donnerstag in Aussicht stellen, dass in Zukunft bei einem Umzug in ein anderes Büro in jedem Fall die Wände gestrichen und bei Bedarf auch die Bodenbeläge erneuert werden. Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter dürfe dann mit darüber entscheiden, welche Farbe der neue Arbeitsraum bekommen soll, heißt es. Zur Auswahl sollen verschiedene Grüntöne stehen. briDieser Artikel erschien in Ausgabe #63.