25. Feb. 2016
Archiv

Zum Tage: Frauen und Flucht

(rb) Die Gleichberechtigung der Geschlechter muss auch bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen im Fokus stehen, fordert der Landesfrauenrat. Am Mittwoch legten dessen Vorsitzende Cornelia Klaus (Frauen im Management e.V.) und ihre Stellvertreterin Sybille Mattfeldt-Kloth (LAG Frauen des Grünen-Landesverbands) der Landespressekonferenz ein fünfseitiges Positionspapier der Institution vor, die 64 Verbände und Gruppen bzw. mehr als 2,2 Millionen organisierte Frauen in Niedersachsen repräsentiert. Danach ist die Landesregierung gefordert, alle Maßnahmen für Flüchtlinge unter Genderaspekten zu prüfen und der Gleichberechtigung in der interkulturellen Arbeit einen hohen Stellenwert einzuräumen. Vorhaben, die zur Stärkung der Gleichberechtigung einen Beitrag leisteten, sollen bevorzugt gefördert und Frauen durch entsprechende Angebote der Zugang zum Arbeitsmarkt geebnet werden. Auch die niedersächsische Wirtschaft soll Frauen den Zugang zu Einstiegs- und Qualifizierungsangeboten ermöglichen, betonten Klaus und Mattfeldt-Kloth. Wie hilfreich in diesem Kontext die Mahnung ist, keinesfalls dürften Migrantinnen in „prekäre“ Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden, etwa in die häusliche Pflege, die Gastronomie, die Fleischindustrie oder ins Reinigungsgewerbe, sei dahin gestellt. Der Landesfrauenrat sieht die Landesregierung ferner in der Verantwortung dafür, dass das Ideal religiöser und weltanschaulicher Toleranz und Vielfalt in Schule und Ausbildung gelebt werden kann und sich nichts ins Gegenteil verkehrt. Mädchen und Frauen dürften keinesfalls unter Druck gesetzt werden, etwa das Kopftuch in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit tragen zu müssen. Einen Schwerpunkt setzte das Führungsduo des Landesfrauenrats am Mittwoch auf die „konsequente Umsetzung“ des Gewaltschutzkonzeptes der Landesregierung und des Opferschutzes in den Flüchtlingsunterkünften. Beschleunigte Asylverfahren sowie eine Verkürzung der Residenzpflicht, um bei Gewalt eine räumliche Trennung von Tätern und Opfern schneller zu ermöglichen, wären dabei hilfreich. Zwar lobten Klaus und Mattfeldt-Kloth die vielfältigen Anstrengungen der Landesregierung, den großen Herausforderungen angemessen zu begegnen – etwa mit der Kampagne „Niedersachsen packt an“. Gleichwohl blieben noch viele Baustellen insbesondere für die weiblichen Flüchtlinge offen, die ein Drittel der Migranten ausmachten. Nach den Erfahrungen der haupt- und ehrenamtlich in den Flüchtlingsunterkünften engagierten Mitglieder des Landesfrauenrats haben Frauen und Mädchen in den Sammelunterkünften vielfach noch immer keine Möglichkeit, sich etwa mit einem Zimmerschlüssel vor Belästigungen durch Männer zu schützen. Zudem richten sich Sprach- und Alphabetisierungskurse, Angebote der Berufsorientierung, aber auch der Freizeitgestaltung vornehmlich an Männer – obwohl auch die Frauen vielfältige Qualifikationen aus ihren Heimatländern mitbrächten, heißt es. Eine verlässliche Kinderbetreuung, die Basis für die Teilhabe der Frauen wäre, gibt es offenbar so gut wie gar nicht. Hier müsse umgehend mehr für Mädchen und Frauen getan werden, fordert der Frauenrat. Zudem sei die Gesundheitsversorgung in den Flüchtlingsunterkünften durch die überlasteten kommunalen Gesundheitsämter nicht gewährleistet und werde vielfach durch ehrenamtliche Strukturen ergänzt oder sogar aufrechterhalten. Insbesondere für Frauen und Kinder habe die Flucht aber erhebliche gesundheitliche Folgen. Der Landesfrauenrat fordert eine deutliche Ausweitung der medizinischen Betreuungsangebote sowie eine zentrale Anlaufstelle für die schnelle Hilfe und Koordination beim Einsatz von Hebammen. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #39.
admin
Autoradmin