(rb) Mit der Vergangenheit in die Zukunft investieren – dieses Vorhaben ist in der 1889 gegründeten Künstlerkolonie Worpswede vorbildlich geglückt. In dem weit über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmten Jugendstil-Dorf konnte Niedersachsens Kulturministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajic am Donnerstag gemeinsam mit dem Osterholzer Landrat Bernd Lütjen, Bürgermeister Stefan Schwenke sowie Projektleiter Matthias Jäger stolz die Ergebnisse des „Masterplans Worpswede“ präsentieren. Die konsequent verfolgte Entwicklung und Umsetzung einer kulturtouristisch nachhaltigen Strategie für das einzigartige Gesamt-Ensemble aus profilierten Museen und Ausstellungshäusern böten ein gutes Gerüst für die Zukunft, lobte die Ministerin.
Die Grünen-Politikerin erntet damit die Früchte, die ihr Amtsvorvorgänger Lutz Stratmann im ersten schwarzgelben Kabinett von Christian Wulff vor mehr als zehn Jahren gesät hatte. Der Oldenburger CDU-Mann, der jetzt die Demografie-Agentur – eine gemeinsame Initiative von Arbeitgebern und Gewerkschaften zur Beratung von Betrieben – leitet, trieb zunächst die Instandsetzung des markantesten Gebäudes in Worpswede, den Barkenhoff, massiv voran. Der Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler hatte das Haus mit der auf vielen Gemälden verewigten weißen Freitreppe und dem legendärem Kunstgarten 1895 gekauft. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum weit strahlenden Zentrum einer Künstlergruppe um den Dichter Rainer Maria Rilke und die Malerin Paula Modersohn-Becker. Nach 15 Monaten aufwendiger Sanierungen konnte Stratmann den Barkenhoff im Dezember 2004 als Heinrich-Vogeler-Museum mit erweiterter Ausstellungsfläche und modernsten technischen Standards, aber annähernd auf dem baulichen Stand von 1908 wieder eröffnen. Die 1,3 Millionen Euro Baukosten brachten das Land Niedersachsen sowie zahlreiche Förderer auf. Träger der Baumaßnahme war die Barkenhoff-Stiftung Worpswede, an der das Land sich beteiligte.
Danach begann Stratmann mit den Vorarbeiten, die eine Neuinszenierung der zahlreichen Kultureinrichtungen, Galerien und Erholungsmöglichkeiten in dem Künstlerdorf als attraktives, zukunftsfähiges Gesamtkunstwerk zum Ziel hatte. 2005 stand der „Masterplan Worpswede“. Das Land Niedersachsen unterstützte die Entwicklung und Umsetzung des Projekts aus EF-RE-Mitteln mit 6,4 Millionen Euro für den Förderzeitraum 2007 bis 2014. Insgesamt flossen fast zehn Millionen Euro in die Runderneuerung der Kolonie. Damit sollten sowohl der Sanierungsstau der kulturhistorischen Bauten behoben als auch die strukturelle und konzeptionelle Neupositionierung der Worpsweder Kultureinrichtungen auf den Weg gebracht werden.
Die vier Museen – die Große Kunstschau, der Barkenhoff, das Haus im Schluh und die Kunsthalle Worpswede – schlossen sich zum Worpsweder Museumsverbund zusammen und beendeten damit das jahrzehntelange Nebeneinander unterschiedlicher, zumeist aus privater Initiative entstandener Institutionen. In den Jahren 2007 und 2012 nutzten die vier Museen die einmalige Chance, sich gemeinsam grundlegend zu erneuern. Nach einer zweijährigen Bauphase präsentierten sie sich im Frühjahr 2012 in neuem Glanz und mit einem gemeinsamen Ausstellungsprogramm, das zu dem „Gesamterlebnis“ des Künstlerdorfes beitragen soll. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht neben der häuserübergreifenden Ausstellungs- und Veranstaltungsplanung das gemeinsame Marketing der Museen. Die neue Tourist-Information Worpswede und ein Besucherleitsystem sollen dies unterstützen. Die Wiederherstellung des Barkenhoff-Gartens nach Vogelers Idee von einer „Insel des Schönen“ im Juni 2015 mit freigelegten Sichtachsen, neuer Wegeführung und Bepflanzung, erneuerter Laube, hergerichteter Terrasse und Treppe war nach insgesamt acht Jahren der Konzeption, Planung und Umsetzung der sichtbare Abschluss eines erfolgreichen Masterplans. Das Land unterstützt das Künstlerdorf auch weiterhin, fördert Kooperationsprojekte und Einzelausstellungen und natürlich die Stiftung Barkenhoff mit 130 000 Euro pro Jahr. briDieser Artikel erschien in Ausgabe #180.