12. Dez. 2019
Soziales

Zu wenig Zeit und schlechte Absprachen: Beauftragter listet Mängel in Kliniken auf

Niedersachsens Patientenschutz-Beauftragter Peter Wüst sieht in seinem aktuellen Jahresbericht die bekannten Probleme des niedersächsischen Gesundheitssystems bestätigt. Der Zeitmangel bestehe als große Herausforderung fort, berichtete er gestern in der Sitzung des Sozialausschusses des Landtags. Im Bereich der Pflege erkannte er zwar eine leichte Abnahme des Personal- und des damit einhergehenden Zeitmangels, bei den Ärzten nehme dieser aber wieder zu. Insgesamt sei die Situation weiter angespannt. Massive Probleme gebe es beispielsweise bei der Zuteilung der Medikamente. Mehrere Patienten hätten Wüst berichtet, dass sie vom Pflegepersonal falsch zusammengestellte Medikamente bekommen hätten. In Kinderkliniken habe sich das Pflegepersonal wohl häufiger dadurch zu helfen versucht, dass sie den Eltern der kranken Kinder Papiertücher gaben, mit denen diese dann das Erbrochene ihrer Kinder selbst von Tisch und Boden wischen sollten.

Personalmangel bedingt Hygienemängel

Dem Personalmangel geschuldet gebe es zudem auch häufig Hygienemängel, stellte Wüst fest. So habe es mehrere Berichte gegeben von blutverschmierten Nachttischen oder Schränken, Flusen und Wollmäusen auf dem Boden sowie Schimmel in Duschen oder verdreckten Toiletten. Bei der Reinlichkeit sei es ein Problem, dass die Kliniken kein eigenes Reinigungspersonal mehr hätten, meint Wüst. Die Dienstleister hätten zumindest eine sehr unterschiedliche Qualität Auf Nachfrage der Abgeordneten erklärte Wüst, dass im Falle von Beschwerden über Hygienemängel die zuständigen Gesundheitsämter sofort informiert würden. Es gebe aber auch Kliniken, bei denen vermehrt Probleme mit der Sauberkeit auftreten – und das habe stets mit der finanziellen Situation zu tun: „Wer in einer finanziell schlechten Lage ist, leistet sich weniger Personal. Dadurch entsteht Zeitdruck und Hygienestandards werden nicht eingehalten.“
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Wüst konstatierte außerdem ein immer größer werdendes Problem bei der Kommunikation. Dies habe zum einen damit zu tun, dass zunehmend Ärzte aus dem Ausland in den niedersächsischen Krankenhäusern tätig seien. „In keiner Klinik gibt es noch genug Stations- oder Assistenzärzte aus dem deutschsprachigen Raum“, erklärte Wüst. Doch die Kommunikationsprobleme gingen über die Sprachbarrieren weit hinaus. Häufig funktionierten die Absprachen zwischen den einzelnen Abteilungen oder zwischen Krankenhaus und Pflegeheim nicht gut. Ein besonders tragischer Fall von Fehlkommunikation ereignete sich im Zusammenhang mit einer Entlassung aus dem Krankenhaus, berichtete der Patientenschutz-Beauftragte. Weder Klinikum noch Heim hatten einen Antrag auf Kurzzeitpflege gestellt. Der Patient wurde dennoch vom Krankenhaus ins Heim entlassen und von dort dann nach sehr kurzer Zeit wieder zurück ins Krankenhaus überwiesen, weil sich der Gesundheitszustand wieder verschlechtert hatte. Im Krankenhaus verstarb der Patient schließlich. Im Bereich der häuslichen Pflege komme es immer wieder zu Problemen mit Agenturen, die Pflegekräfte aus dem Ausland vermitteln, berichtete Wüst. Die Pflegekräften wären in der Regel selbständig tätig, die Agenturen erhöben hohe Gebühren, verstünden sich aber nur als Vermittlung und übernähmen keinerlei Verantwortung. Wüst berichtete im Sozialausschuss von einem Fall, in dem eine Pflegekraft aus Polen bereits nach einem Tag wieder in ihre Heimat zurückgereist wäre, die Agentur habe von der pflegebedürftigen Person aber dennoch Gebühren für die Vermittlung verlangt. Das habe die Agentur damit begründet, dass die Pflegekraft ihren Dienst ja angetreten habe und sie nichts dafür könnten, dass die Pflegerin dann vertragsbrüchig geworden sei.

Patienten-Fürsprecher werden immer besser angenommen

Peter Wüst hat in diesem Jahr seinen letzten Patientenschutz-Bericht vorgestellt, er geht nun in den Ruhestand. Zum Abschied gab er den Parlamentariern noch mit auf den Weg, dass das Büro des Patientenschutz-Beauftragten auf jeden Fall mit zwei Vollzeitkräften besetzt sein müsse, um die Arbeit angemessen erfüllen zu können. Dazu gehöre es neben dem Tagesgeschäft (also der Beratung von Patienten) auch, pro Jahr zwei Grundlagenschulungen und vier Regionalkonferenzen für die Patienten-Fürsprecher in den einzelnen Kliniken auszurichten, erklärte er. Die Fürsprecher und auch seine Arbeit würden in den Kliniken immer besser angenommen. Dafür spreche auch die große Beteiligung an der Klinik-Befragung – rund 90 Prozent der Krankenhäuser haben sich zuletzt daran beteiligt. Kritisch merkte Wüst aber auch an, dass ein Großteil der Patienten-Fürsprecher frühere leitende Ärzte der jeweiligen Klinken seien, die nach ihrer Zeit in führender Position nun die Rechte der Patienten wahren sollen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #222.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter