Aleaxander Gauland auf dem AfD-Bundesparteitag - Foto: kw[/caption]
An diesen Wochenende geschieht, was man einen „Stellvertreterkrieg“ nennen kann. Nach zwei Jahren tagt der Bundesparteitag wieder in Niedersachsen, nämlich in der Braunschweiger „Volkswagenhalle“, und bei dieser Gelegenheit wirft Guth ihren Hut in den Ring. Sie bewirbt sich für einen der beiden Vorsitzendenposten auf Bundesebene. Die 49-jährige Immobilienkauffrau aus Herzberg im Harz will bei den Bundesdelegierten ihre Resonanz austesten. Das ist eine Einladung an ihre Anhänger, möglichst viel Unterstützung zu zeigen – und an ihre Gegner, das Gegenteil zu organisieren.
Hampel wollte wohl kein Risiko eingehen
Das Resultat bei der Wahl dürfte große Auswirkungen haben auf den März oder April 2020, wenn die AfD Niedersachsen sich zum Landesparteitag trifft und den Landesvorstand neu wählt. Zur Erinnerung: Bei der letzten Vorsitzendenwahl 2018 hatte Guth gegen Hampel gesiegt, bei der vorletzten Vorsitzendenwahl 2017 war es noch umgekehrt gewesen. Und diesmal? Würde Guth mit einem respektablen Ergebnis beim Bundesparteitag Rückenwind im Landesverband erhalten und ihre Macht retten können? Gemutmaßt worden war zu Beginn des AfD-Bundesparteitags, dass auch Hampel seinerseits als Kandidat gegen den ersten Vorstandssprecher Jörg Meuthen antreten würde – um ähnlich wie Guth auf Bundesebene Aufmerksamkeit zu erregen. Tatsächlich wird er dafür auch vorgeschlagen. Doch Hampel, der als außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion einen Namen hat, verzichtete auf diesen Schritt. Es hätte für ihn auch das Risiko bedeutet, am Ende schwächer als Guth abzuschneiden.Es wird der Tag kommen, an dem die geschwächte CDU nur noch eine Option hat, nämlich uns.
Viele Beobachter meinen, hinter dem Konflikt Guth/Hampel steckten mehr persönliche Animositäten als politische Inhalte. Aber wahr ist auch, dass Hampel stets nie Hemmungen hatte, engen Kontakt auch zum umstrittenen Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke zu halten, der als Vertreter des völkischen „Flügels“ den rechten Rand der Partei markiert. Höcke steht im Ruf, die AfD Schritt für Schritt auch für Rechtsextremisten zu öffnen.
Guth hingegen hat sich wiederholt von Höcke abgegrenzt, und sinnbildlich dafür war im vergangenen Juli der offene Brief von 100 AfD-Funktionären, die sich gegen „Personenkult“ und ausdrücklich auch gegen Höckes Auftreten wandten. An der Spitze der Unterzeichner stand Guth – und mit ihr positionieren sich die bekenntnisfreudigsten „Flügel“-Gegner in der Partei. Dazu gehören Parteivize Kay Gottschalk (MdB) aus NRW, einer der fleißigsten Strippenzieher der AfD, der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Georg Pazderski und der rheinland-pfälzische AfD-Politiker Uwe Junge.


