Auch bei der Hafenwirtschaft stieg der Konjunkturindex um 35 auf 126,3 Punkte. Der Umschlag der deutschen Seehäfen stieg um 1,5 Prozent auf rund 150 Millionen Tonnen. Einerseits profitiert die Hafenwirtschaft von der guten Konjunktur, andererseits verlieren die Häfen aber auch Marktanteile an Rotterdam und Antwerpen. Dort stieg der Umschlag im ersten Halbjahr um 3,9 beziehungsweise 2,8 Prozent. Das könnte unterschiedliche Ursachen haben.
So sieht sich die deutsche Hafenwirtschaft bei der Einfuhrumsatzsteuer im Nachteil. Wer hierzulande in einem Hafen Waren importiert, zahlt die Steuer an den Zoll und bekommt die Summe danach vom Finanzamt im Zuge der Umsatzsteueranmeldung erstattet. Das kann allerdings Wochen oder sogar Monate dauern. In Rotterdam wird das inzwischen alles digital abgerechnet – es gibt keine Umwege und man braucht keinen Steuerberater. Interessengruppen drängen inzwischen auf eine Angleichung des Steuerrechts mit den Niederlanden und Belgien. Hinzu kommt, dass der Wettbewerb in der Containerschiffahrt noch einmal härter geworden ist, was auch Auswirkungen auf die Hafenwirtschaft hat. So das Bündnis Ocean Alliance, das aus fünf großen Reedereien besteht, auf seinen Routen im Asien-Europa-Verkehr einen Marktanteil von 37 Prozent. Zwei weitere Mega-Bündnisse in der Container-Schifffahrt kommen auf 34 und 29 Prozent Marktanteil.
Die Konjunkturaussichten der Reeder sind daher auch weniger optimistisch, dafür aber weitgehend stabil. Das Stimmungsbarometer sank leicht von 113,9 auf 112,4 Punkte. Nach wie ist die Lage bei vielen Reedern angespannt, der Kampf ums wirtschaftliche Überleben gehört immer noch zum Alltag. Das betrifft vor allem kleinere Reedereien mit nur wenigen Schiffen. In den vergangenen Jahren schrumpfte die deutsche Handelsflotte um etwa ein Drittel auf rund 2700 Schiffe. „Wir hoffen, dass die schlimmsten Zeiten hinter uns liegen und die Branche nach und nach wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt“, sagt der IHK-Vorsitzende Blank.

