Wir können uns nicht erlauben, auch nur ein Unternehmen fallen zu lassen, das Zukunftsperspektiven hat.
Weil nimmt in seiner Rede vor allem die Zulieferer in den Fokus. Sie seien längst nicht so finanzstark wie die Automobilkonzerne, sie hätten Unterstützung nötig und sollten diese vom Staat auch erhalten. „Wir können uns nicht erlauben, auch nur ein Unternehmen fallen zu lassen, das Zukunftsperspektiven hat“, macht Weil deutlich, und fasst die Klimaschutzziele ins Auge. Ziele zu setzen sei der leichtere Teil der Übung, schwieriger sei es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
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Will Auto-Zulieferer stärker unterstützen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil - Foto: MB.[/caption]
Weil fordert, dass Energie bezahlbar bleiben muss. „Es kann nicht sein, dass wir die Standortbedingungen so verschlechtern, dass der Klimaschutz am Ende um den Preis einer spürbaren Deindustrialisierung erreicht wurde. Wir brauchen einen Umsetzungsplanung“, so der Ministerpräsident. Ob Plan oder kein Plan: Bei der Umsetzung scheint es in der Bundesregierung noch zu hapern.
Bundesfinanzminister Olaf Scholz, virtuell zugeschaltet aus Berlin, bleibt blumig. Man wolle 2050 CO2-neutral wirtschaften und fahren, er spricht von einem „Apollo-Projekt“ und einer Aufgabe, die man gar nicht überschätzen könne. Dafür seien große technologische Sprünge nötig, um die man jetzt kämpfen müsse. „Ich traue der deutschen Autoindustrie diesen Sprung zu, sie ist aber nicht alleine gefragt.“
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Stephan Weil und Bernd Althusmann verfolgen das Statement von Olaf Scholz - Foto: MB.[/caption]
An den Hochschulen müssten Kompetenzen gestärkt werden, die den Entwicklungspfad unterstützen. Scholz verweist auch auf das Ziel, bis 2030 deutschlandweit eine Millionen Ladepunkte für Elektroautos zu schaffen. Der Plan ist allerdings auch schon wieder ein Jahr alt, und nach wie vor sind Ladestationen für E-Autos im ganzen Land eher homöopathisch verteilt.
2021 muss das Jahr der Elektroinfrastruktur werden.
Mehr Ladestationen wünscht sich auch Ralf Brandstätter, Chef der Marke Volkswagen, der ebenfalls per Video am Arbeitgebertag teilnimmt. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur werde entscheidend sein für den Erfolg der Technologie. „2021 muss das Jahr der Elektroinfrastruktur werden“, sagt Brandstätter, ohne konkrete Forderungen an die Politik zu richten.
Das Unternehmen setzt in den kommenden Jahren voll auf die Elektrotechnologie. Man habe sich als einer der ersten Autokonzerne zu den Pariser Klimaschutzzielen bekannt, schließlich seien Autos aus der VW-Konzernfamilie für ein Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. „Elektroautos sind unsere Lebensversicherung“, erklärt Brandstätter, zugeschaltet aus Wolfsburg.
Der Konzern werde elf Milliarden Euro in Elektromobilität investieren. „Jetzt wird es ernst.“ Einen Nachteil sieht der VW-Manager noch in der Abhängigkeit bei den Batteriezellen. Anbieter aus China würden auch in den kommenden Jahren den Markt dominieren. Seiner Meinung nach sollte man in Deutschland und Europa doch noch einmal darüber nachdenken, ob man diese Abhängigkeit so akzeptieren wolle, oder ob man mit einem Konsortium die Batteriezellenproduktion auf dem europäischen Kontinent stärken möchte, die geplante Batteriezellen-Fabrik in Salzgitter dürfte nur einen sehr kleinen Teil der nötigen Kapazität abdecken können.
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Wünscht sich nicht die alten Zeiten zurück: Wirtschaftsminister Bernd Althusmann - Foto: MB.[/caption]
Man brauche die technologischen Fähigkeiten hier in Europa, meint Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der wie Weil persönlich in den Peppermint Pavillon gekommen ist. „Man darf sich nicht zu stark von anderen Märkten abhängig machen“, sagt Althusmann mit dem Blick auf Asien, der europäische Markt müsse stark genug sein.
Die alten Zeiten wünscht sich Althusmann nach eigenen Worten nicht zurück. Er sehe in den Veränderungen auch eine Chance. Tesla sei einmal ein Softwarehersteller gewesen und baue heute Autos. VW sei ein klassischer Autokonzern und benötige jetzt Softwareexperten. Wichtig sei, dass die Zulieferer angesichts der Entwicklungen eingebunden würden. „Es geht um Wege für die nächsten zehn Jahre. Wir müssen heute schon das Jahr 2030 vordenken“, fordert Althusmann.
Dass das gar nicht so einfach ist, macht die Veranstaltung selbst deutlich. Immer wieder geht es am Rande um das Corona-Virus, um steigende Infektionszahlen und die Unsicherheit für die Wirtschaft. Wer aber nicht einmal genau weiß, wie das Jahr 2021 aussehen wird, dem fällt es noch schwerer, das Jahr 2030 vorzudenken.

