24. Sept. 2026 · 
TagesKolumne

Was von der IAA übrig bleibt

Vergangene Woche hat die IAA Transportation in Hannover gezeigt, wie sich die Nutzfahrzeugbranche ihre Zukunft vorstellt. Elektrisch, digital, autonom – und möglichst effizient. So weit, so erwartbar. Einige Exponate warfen allerdings Fragen auf, die bislang leider unbeantwortet geblieben sind.

Wer oder was begrüßt hier eigentlich die Messebesucher? Das IAA-Maskottchen lässt Raum für zoologische Spekulationen. | Foto: Link

Da wäre zum einen das offizielle Maskottchen am Eingang: Es ist riesig, lila-grau, hat lange Ohren, ein ausgesprochen fröhliches Gesicht und heißt offenbar „Tiaa“. Was aber ist es? Ein Lasten-Esel im Dienst der Verkehrswende? Ein Schleppy Hippo? Ein genetisch auf maximale Transportkapazität getrimmtes Alpaka? Wahrscheinlich ist es einfach irgendein Wesen mitten in der Transformation. Das würde zumindest zur Branche passen, die auch noch nicht so richtig weiß, ob sie jetzt eigentlich mit Strom fährt oder doch mit Diesel oder vielleicht sogar mit Wasserstoff.

Haribo trifft Volkswagen Nutzfahrzeuge: Dieser ID.Buzz fällt auf. | Foto: Link

Mindestens genauso interessant ist der Haribo-ID.Buzz von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Der Elektro-Bulli ist mit Regenbogen und Gummibären verziert und beantwortet damit eine Frage, die sich vermutlich jeder schon mal gestellt hat: Wie sähe ein ID.Buzz aus, wenn man ihn als Bunte Tüte verkleiden würde? Ziemlich genau so. Zwischen all den möglichst seriösen Zukunftsstudien und schweren Lastwagen war er jedenfalls schwer zu übersehen.

Bei Linxys bekommt der Begriff „Kaffeefahrt“ eine neue Bedeutung. | Foto: Link

Die Chinesen stehen derweil kurz davor, die selbstfahrende Kaffeemaschine zu erfinden. Das „050 Coffee project“ von Linxys ist ein zum mobilen Café umgebauter Elektrotransporter, der Koffeinsüchtige mit nur einer Akkuladung im Umkreis von 230 Kilometern erreichen kann. Jetzt fehlt nur noch die autonome Fahrtechnik aus der Nachbarhalle. Einen kleinen Designfehler hat das Kaffeeprojekt allerdings noch: die Kaffeemaschine. Während ringsherum ein kompletter Elektrotransporter zur mobilen Kaffeestation umgebaut wurde, steht im Heck ein einfacher Philips-Vollautomat, den man auch im nächsten Elektromarkt bekommt. Offenbar ging das Entwicklungsbudget für alles drauf, was fährt.

Willkommen im autonomen Nahverkehr. Einige Details bedürfen allerdings der Erklärung. | Foto: Link

Mein größtes Rätsel wartete allerdings im Urban Elf des chinesischen Herstellers Skyworth. Das autonome Shuttle sieht von außen wie ein gestauchter Linienbus aus. Innen landet man dagegen in einer eigenartigen Mischung aus Flughafenlounge und Jugendzimmer: graue Sitzbänke ohne Designanspruch, ein Bildschirm und ein flauschiger Teppich mit sonderbarem Muster, auf dem eigentlich nur noch ein paar leere Chipstüten fehlen. Auf einer Art Theke gibt es auch noch einen Greifarm. Wozu aber ist er da? Wirft er die Fahrgäste raus, die zu laut Musik hören? Sammelt er den Müll vom Boden auf? Verteilt er Kuscheltiere als Trostpreis, wenn der autonome Bus die falsche Abzweigung nimmt? Die Antwort ist fast enttäuschend: Der Roboterarm reicht Getränke an. Skyworth hat also den Busfahrer abgeschafft und dafür einen Barkeeper eingestellt. Der darf allerdings auch nur ein Roboter sein.

Ich überreiche Ihnen nun die Themen der heutigen Rundblick-Ausgabe. Wir berichten über:

  • Mehr Reichweite für gute Argumente: Schüler berichten, dass Antisemitismus in sozialen Medien allgegenwärtig ist. Fußballer von Hannover 96 sollen helfen, Gegenargumenten mehr Reichweite zu verschaffen.


  • Bodenhaftung behalten: Wie wird verhindert, dass sachfremde Investoren mit Bauernland spekulieren? Rot-Grün hat dazu jetzt einen Entwurf vorgelegt, der sich von der ersten Fassung unterscheidet.


  • Grundversorgung statt Sonderausstattung: Prof. Nils Schneider bildet Allgemeinmediziner aus. Er erklärt, warum es so wenig Hausarzt-Nachwuchs gibt und wie die Primärversorgung künftig aussehen könnte.


  • Personen & Positionen: Philipp Köker, Grant Hendrik Tonne, Olaf Lies und Michael Molz.

Gute Fahrt in die Zukunft wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #166.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link
Was von der IAA übrig bleibt