25. März 2026 · 
TagesKolumne

Warten auf die Eierpreisbremse

Nach Benzin und Diesel wird jetzt auch noch der wichtigste ovale Kraftstoff teurer: Rechtzeitig zu Ostern steht auch das Ei unter Preisdruck. Und was macht die Politik?

Wer kennt das nicht: Man steht vor dem Automaten, schaut auf die Anzeige und zögert. Soll ich noch warten? Oder sofort zugreifen? Wird der Preis in den nächsten Sekunden vielleicht noch fallen oder sogar steigen? Diese emotionale Achterbahn, die wir bisher nur von der Tankstelle kannten, erleben wir nun auch am Eierautomaten beim Hofladen um die Ecke: „Eier werden zu diesem Osterfest voraussichtlich noch knapper als im vergangenen Jahr“, warnt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Schon jetzt zahlt der Verbraucher für ein Klasse-M-Ei aus Bodenhaltung locker 25 Cent aufwärts. Und vor einem Jahr dachten wir noch 16,38 Cent wären teuer.

Hinter dem knappen Angebot an „Konsum- und Schaleneiern“ stecken laut LWKN nicht nur die jüngsten Tierseuchen, sondern auch ein strukturelles Defizit: Die Exportnation Deutschland hat ausgerechnet beim Eierhandel ein krasses Außenhandelsdefizit. 21 Milliarden verbrauchte Eier stehen einer Inlandsproduktion von nur 15,3 Milliarden gegenüber. US-Präsident Donald Trump hätte in so einem Fall vermutlich schon längst Strafzölle gegen die Osterinseln verhängt und sich eine rote Baseball-Cap mit Hasenohren aufgesetzt: Make Our Nests Great Again!

Die Bundesregierung bleibt indes untätig. In Berlin wird weder über eine Eierpreisbremse noch über eine Übergewinnsteuer für Legebetriebe diskutiert. Nicht einmal die Idee, dass Eierautomaten künftig nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen, hat bislang Anhänger gefunden. Währenddessen schießen die Eierpreise am Spotmarkt weiter nach oben, wie die Landwirtschaftskammer berichtet. „Zum Ende des Monats März kletterte die Weser-Ems-Notierung für Eier aus Bodenhaltung in der Größe M im Median auf 20,65 Euro pro 100 Stück.“

Bleibt nur noch eine Frage offen: Wie muss man sich den Spotmarkt für Eier eigentlich vorstellen? Ich denke da an eine österliche Variante der Wall Street: Auf unzähligen Monitoren flimmern Kurven, Balken und ovale Diagramme. In der stickigen Luft des Börsensaals vermischt sich der Geruch von frischer Eierfarbe mit dem Aroma von Stroh, während hektische Makler mit Smartphone am Löffelohr sich Gebote für „Bodenhaltung M“ entgegenschreien. „Kaufe 5000 Weißschalige, sofortige Lieferung!“, brüllt einer, während ein anderer verzweifelt versucht, sein „Freiland-Portfolio“ noch vor Handelsschluss loszuwerden.

Klingelingeling, hier kommt die Schlussglocke: Die Preise am Spotmarkt für Eier sind aus Spekulantensicht derzeit Güteklasse A. | Foto: Link/mit KI generiert

Das Osterfest ist in Niedersachsen eben längst keine reine Brauchtumspflege mehr, sondern ein knallhartes Termingeschäft. Deswegen möchte ich Ihnen noch eine Börsenweisheit mitgeben, mit der Sie nicht nur auf dem Spotmarkt bestehen werden. Sie lautet: Wer Eier hat, geht long. Wer keine hat, geht leer aus.

Noch mehr schlaue Sprüche lesen Sie heute im Rundblick. Wir berichten über folgende Themen:

  • Einkaufen, aber anders: Die CDU legt vor, die Wirtschaft drängelt: Bei digitalen Dorfläden wächst der Druck auf Rot-Grün, endlich klare Regeln für Sonntagsöffnung und Flächenbegrenzung zu schaffen.


  • Eingabe an den Landtag: Eine Petition fordert grundlegenden Reformen statt Flickwerk bei den Kindergärten. Der "Gamechanger" sei eine bezahlte Ausbildung, um die Kräfte zu gewinnen, die geeignet sind.


  • Interview: Umweltminister Christian Meyer will die Nordsee zum „Freiheitspark für die Energieversorgung“ machen. Im Gespräch mit dem Rundblick erklärt er seine Pläne.

Ein glückliches Händchen bei der Portfolio-Pflege fürs Osternest und eine renditestarke Karwoche wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link



Dieser Artikel erschien in Ausgabe #057.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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Warten auf die Eierpreisbremse