14. Jan. 2020
Finanzen

Volle Kassen auch in Niedersachsen: Koalition schätzt Überschuss auf eine Milliarde Euro

Als in den letzten Wochen des vergangenen Jahres darüber spekuliert wurde, wie hoch wohl der Überschuss im Landeshaushalt aus dem vergangenen Jahr sein würde, kursierte eine Zahl von 420 Millionen Euro. Das war zu einer Zeit, als schon die ersten „K-Forderungen“ formuliert wurden – etwa für Krankenhäuser, Katastrophenschutz oder Kindergärten. Inzwischen hat sich die Situation geändert, die Fachleute haben noch einmal genau nachgerechnet. Nun gibt es die offenbar berechtigte Hoffnung, die Steuereinnahmen könnten 2019 noch kräftiger geflossen sein und der Überschuss könne zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarden Euro ausmachen. Eine Sprecherin des Finanzministers Reinhold Hilbers teilte gestern auf Rundblick-Anfrage mit: „Wir gehen davon aus, dass sich ein Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro ergeben wird.“ Anstelle der genannten „K-Forderungen“ genießt in der Koalition offenbar eine andere derzeit Priorität: K wie Klimaschutz. Gut möglich ist, dass in der Klausurtagung des Kabinetts das Thema nächste Woche bereits angesprochen wird – vielleicht aber auch nur informell am Rande.
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Seit Jahren ist es bewährte Praxis, dass die Landesregierung erst Ende April konkrete Zahlen zum Verlauf der Haushaltswirtschaft im Vorjahr verkündet. Das hat damit zu tun, dass die Wirkungen im Bund-Länder-Finanzausgleich (LFA) berücksichtigt werden müssen. Ist nämlich die Konjunktur in Niedersachsen weit besser gewesen als in den anderen Bundesländern und verbuchten die hiesigen Finanzämter höhere Einnahmen, so könnte Niedersachsen zur Zahlung in den LFA verpflichtet werden, was wiederum die Überschussmenge schmälern würde. Trotz dieser Unsicherheit hört man allerdings aus der SPD/CDU-Koalition optimistische Stimmen. Ein größerer Teil des Überschusses könnte genutzt werden, die ersten Klimaschutz-Projekte anzuschieben – beispielsweise die Umstellung des Fuhrparks der Landesverwaltung, die Wärmedämmung und Solaranlagen-Ausstattung von Landesgebäuden oder Förderprogramme für die Verstärkung von Angeboten des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Ein Teil der Vorhaben, die den Klimaschutz umfassen, bezieht sich auch auf die Landwirtschaft, etwa die Förderung von Moor-Renaturierungen. Vor allem aus der CDU, aber auch aus der SPD kommen Stimmen, die in jüngster Zeit sehr protestwilligen und -bereiten Bauern über Landesprogramme zu unterstützen. Das könnten auch Investitionshilfen für diejenigen Landwirte sein, die bei Düngung und Pflanzenschutzmitteln zunehmend die moderne Technik einsetzen.

Überschüsse können Konflikte in der Koalition vermeiden

Wenn die Erwartungen eintreten und der Überschuss auch aus 2019 stattlich sein sollte, können der Koalition einige Konflikte erspart bleiben – weil sie diese mit Geld lösen könnte. Im Raum steht etwa die CDU-Forderung, einen nennenswerten Betrag zur Tilgung der Altschulden aufzubringen. Im Gespräch sind bis zu 200 Millionen Euro. Gerade in der SPD mehren sich Stimmen, den Kommunen mehr Geld für den Bau neuer Kindergartenplätze zu überweisen. Für den Haushaltstitel eines „Ostfrieslandplans“, ein Strukturförderprogramm im Nordwesten des Landes, ist bisher noch keine Summe vorgesehen. Auch dies könnte ein Thema werden. Die niedersächsischen Universitäten hatten vor Weihnachten dagegen protestiert, dass ihre Mittel um den Anteil gekürzt werden, den das Ministerium als „globale Minderausgabe“ erwirtschaften muss. Hier könnte die Koalition eine Entlastung planen. Eine mögliche Bremse könnte die beginnende Euphorie der Koalition bei den Ausgabeplänen dämpfen – die Steuerschätzung Mitte Mai. Zu Jahresbeginn sind die Erwartungen der Wirtschaftsforscher für den Konjunkturverlauf in Deutschland noch relativ optimistisch, doch bis zu der für die Haushaltsplanung für 2021 nahenden Mai-Steuerschätzung könnten noch globale Ereignisse die weltwirtschaftliche Stimmung eintrüben. Sollte das so kommen, könnte die Koalition einen Teil der Überschüsse aus 2019 nutzen, um negative Effekte für 2021 auszugleichen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #008.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter