Volkswagenspitze und Aufsichtsrat weiter unter Druck
(rb) Wolfsburg/Hannover. Im Vorfeld der für Mittwoch anberaumten nächsten Krisensitzung des VW-Aufsichtsrats mehren sich die Stimmen, die sowohl ein deutliches Signal für den unbedingten Willen des Wolfsburger Autobauers vermissen, die Ursachen der Software-Manipulationen an Dieselmodellen aufzuklären, als auch einen personellen Neustart für die Kontrollebene des Unternehmens fordern. Der komplette Aufsichtsrat soll in Wolfsburg dem Vorschlag des Präsidiums folgen, den bisherigen VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu bestimmen. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder die Frage auf, wie Pötsch, der die Öffentlichkeit und Aktionäre offenbar über Wochen nicht über die Abgas-Affäre informiert hat, jetzt glaubhaft deren Aufklärung kontrollieren könne. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Mitglied des Präsidiums, hat am Dienstag in einem Schreiben an die VW-Mitarbeiter/innen versichert, die Vertreter des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat würden in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern an einer konsequenten Aufklärung mitwirken. Daran hat CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler Zweifel. Das Land Niedersachsen trage als einer der Haupteigentümer eine große Verantwortung für den Volkswagen-Konzern. Doch bislang unternehme der Ministerpräsident nichts, was zu dem Eindruck einer „aktiven Aufarbeitung“ durch die rotgrüne Landesregierung beitragen könnte. Thümler erwartet für die Oktobersitzung des Landtags eine Regierungserklärung, in der Weil endlich erklären müsse, welche Aufklärungsmaßnahmen die Landesregierung ergreifen wolle. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat jetzt erneut öffentlich „einen Kulturwandel“ bei Volkswagen angemahnt. Auf der Vorstandsebene müsse es einen Ansprechpartner geben, der ausschließlich für die Themen Compliance und Kultur verantwortlich sei. Auch Führungskräfte müssten an ihrer Kritikfähigkeit arbeiten. Unterdessen prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) weiter, ob VW den Abgasskandal entsprechend dem Aktiengesetz öffentlich gemacht hat. Die Kurse der VW-Aktien erholten sich auch in der dritten Börsenwoche nach der Enthüllung der Manipulationen nicht. Zum Wochenbeginn fielen die Vorzugsaktien mit 86,36 Euro auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Die Eigentümer von Stammaktien wie das Land Niedersachsen oder die Familien Porsche und Piëch büßten weniger ein. Nach der Analyse des Handelsblatts soll der Börsenwert des Konzerns seit März 2015 um gut 60 Prozent von 120 Milliarden Euro auf derzeit nur noch 46 Milliarden Euro geschrumpft sein.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #183.