Lesen Sie auch: Corona zwingt Meyer-Werft in lange Betriebsferien Im Nordwesten häufen sich die Wirtschaftssorgen
Bisher ist in der niedersächsischen Landespolitik eine staatliche Beteiligung an der Meyer-Werft, die der Eigentümer auch gar nicht anstrebt, eher abwehrend diskutiert worden. Vor wenigen Wochen sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann in einem Interview: „Für eine staatliche Beteiligung gibt es bei der Meyer-Werft derzeit meines Erachtens keinerlei Anlass.“ Die Frage ist nun, ob sich das ändern sollte, wenn der Mitbewerber im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern – dessen Standorte teilweise im Wahlkreis von Kanzlerin Angela Merkel liegen – unter einen besonderen staatlichen Rettungsschirm schlüpfen sollten. Tatsächlich bekommt auch die Meyer-Werft derzeit schon Unterstützung, dazu gehören Liquiditätshilfen der KfW-Bank und die Bereitschaft der Landesregierung, bei Infrastrukturfragen zu helfen. Das sind viele Details: die Ausbaggerung des Papenburger Hafens etwa, die Übernahme der Kosten, wenn Kreuzfahrtschiffe über die Ems zur See überführt werden, oder die hohen Gebühren für das Sperrwerk, die das Land nach EU-Recht verlangen muss. Auf der Strecke der Ems hängen teilweise einige Kabel zu tief, das erschwert derzeit solche Überführungen – und auch da könnte das Land helfen. Diskutiert wird demnächst außerdem über einen Beitrag der Belegschaft in Form von Lohnverzicht, Vorruhestandsregeln oder Arbeitszeitverkürzung (ohne Lohnausgleich). Bisher hat es an dieser Stelle noch keine Bewegung gegeben, die Ausgangslage ist schwierig.
Die Debatte um die Verstaatlichung der MV Werften, die seit wenigen Tagen akut ist, bringt nun neue Dynamik auch in die Diskussion über die Meyer-Werft. Falls das Land Mecklenburg-Vorpommern die Mehrheit an den MV Werften übernehmen sollte, könnte sich die Frage nach einer Unterstützung des Unternehmens durch ein erfahrenes Management einer anderen Werft stellen – und in Betracht könnte dann Meyer kommen, zumal das emsländische Unternehmen auch einen Werftenstandort in Mecklenburg-Vorpommern hat, nämlich in Rostock. Eine ganz andere Frage ist, inwieweit die aufkeimende Debatte über eine Verstaatlichung der Werften auch andere Unternehmen in Niedersachsen betreffen könnte.
Die Werft in Elsfleth ist kürzlich von der Bremer Lürssen-Werft übernommen worden, das Unternehmen baut derzeit an der Gorch Fock. Gut möglich ist, dass auch von dort Wünsche laut werden, bei einer Verstaatlichung von Werften nicht außen vor bleiben zu wollen. Für die Meyer-Werft gilt dieser Wunsch jedenfalls nicht. Es heißt, das Unternehmen in Papenburg lege sehr großen Wert darauf, eine selbstständige, von der Familie geführte Firma zu bleiben. So etwas erleichtere eine schnelle und sichere Entscheidungskultur in der Geschäftsführung.

