Bayerischer Pflegering kann ein Vorbild sein
Immer wieder wird in der Debatte der bayerische „Pflegering“ als Beispiel zitiert. Dort übernimmt der Staat wesentliche Teile der Finanzierung, eine Pflichtmitgliedschaft für alle Pflegekräfte besteht nicht und es ist auch möglich, Organisationen der Pflegeunternehmen wie auch solche der Pflege-Beschäftigten als Mitglieder in den Pflegering einzubeziehen. An diesem Konzept nimmt sich Verdi in seinem Modell nun ein Beispiel, ändert das bayerische Modell aber an einigen Punkten ab. So sollen zwar die Verbände der Pflege-Beschäftigten dort Mitglied werden können, nicht aber Pflegeunternehmen und deren Berufsverbände. Obwohl die Zwangsmitgliedschaft als wesentliches Charakteristikum der Kammer fehlt, soll sie im Verdi-Modell für pflegefachliche Fragen und Grundsätze der Aus- und Fortbildung zuständig sein – allerdings nicht für die Berufsgerichtsbarkeit (also die Beantwortung der Frage, ob einem Unternehmen die Lizenz entzogen werden soll). Der Gewerkschaft Verdi war in der Vergangenheit wiederholt unterstellt worden, sie lehne die Zwangsmitgliedschaft in der Pflegekammer aus Konkurrenzgründen ab – da die Pflegekräfte nicht parallel Beiträge für eine solche Kammer und die Gewerkschaft als Interessenvertretung zu zahlen bereit seien. Die massive Ablehnung der Kammer auf dem Bereich der betroffenen Pflegekräfte ist wohl aber in erster Linie auf die Beitragsbescheide zurückzuführen. Wiederholt haben Vertreter der SPD/CDU-Koalition durchblicken lassen, dass sie offen für eine Reform des Modells seien. Vor wenigen Tagen fand eine Verdi-Fachkonferenz statt, in der die Grundzüge des neuen Vorschlags vorgestellt und diskutiert wurden. In der Verdi-Pressemitteilung wird auch der stellvertretende SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Christos Pantazis zitiert, der zugesagt habe, das Verdi-Konzept in der SPD-Landtagsfraktion „zu prüfen“. Verdi-Landesleiter Detlef Ahting befürwortete eine „Vollbefragung“ aller Pflegekräfte in Niedersachsen (also nicht nur derer, die schon in der Pflegekammer registriert sind). Sie sollen sich dazu äußern, welches Modell sie für richtig halten. Pantazis hat laut Verdi-Mitteilung eine solche Vollbefragung als „sinnvoll“ bezeichnet.Lesen Sie auch: SPD-Sozialexperte spricht Pflege-Klartext Eine Pflegedebatte im Landtag, bei der die Pflegekammer keine Rolle spielte


