8. Feb. 2016
Archiv

Unternehmen durch Integrationshemmnisse ernüchtert

(rb) Hannover. Der weiterhin ungebrochenen Bereitschaft der Unternehmen in Niedersachsen, Flüchtlinge in ihren Betrieben zu beschäftigen, steht mittlerweile eine wachsende Skepsis und Ernüchterung gegenüber, dass sich dies realisieren lässt. Nach der Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall für die Metall- und Elektroindustrie, die Automobilzulieferer und die Dienstleistungsbranche ist die Bereitschaft seit dem Herbst 2015 zwar leicht zurückgegangen, liegt aber immer noch bei durchschnittlich 80 Prozent. Dass die Beschäftigung von Flüchtlingen allerdings ein Mittel zur Fachkräftesicherung sein könnte, glauben ebenfalls rund 80 Prozent eher nicht. Nur in der Dienstleistungsbranche ist man optimistischer; hier setzt jeder zweite Betrieb auf die Asylbewerber. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Dr. Volker Schmidt, geht davon aus, dass sich – schon wegen der dominanten Sprachprobleme – kurzfristig keine Integration dieses Personenkreises bewerkstelligen lassen wird. Man habe auch von der Arbeitsagentur den Eindruck erhalten, dass das Interesse junger Flüchtlinge etwa an einer langwierigen Ausbildung in einem Industriebetrieb, die einschließlich der Sprach- und Integrationskurse bis zu fünf Jahre dauern könne mit einem entsprechend geringen Einkommen, nur sehr gering ist. Die Flüchtlinge wollten möglichst schnell Geld verdienen, entweder um ihre Schleuser zu bezahlen oder ihre Familien zu Hause zu unterstützen. Am ehesten ließen sich Flüchtlinge in der Gastronomie und im Dienstleitungsbereich, etwa in der Pflege, sofort einsetzen. Als wenig hilfreich wird von den Industriebetrieben der verpflichtende Mindestlohn für Praktikanten angesehen, die damit etwa in der Elektrobranche 1660 Euro monatlich (incl. Sozialabgaben) bekommen gegenüber 1270 Euro für einen Auszubildenden im dritten Lehrjahr, der bereits über gute Kenntnisse verfügt und kurz vor dem Ausbildungsabschluss steht. Insgesamt zeichnete Schmidt von der aktuellen Lage der Industriebetriebe ein durchwachsenes Bild. Die zahlreichen Krisenherde der Welt, die vor allem die exportabhängigen Unternehmen belasten, die Absatzkrise bei VW, von der besonders die Zulieferer betroffen sind, und nicht zuletzt der anhaltende Flüchtlingsstrom hätten zu einer großen Verunsicherung geführt. Erstmals seit der Finanzkrise sei bei einem Drittel der Betriebe von Personalabbau oder zumindest Stillstand die Rede, berichtete der Metall-Hauptgeschäftsführer.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #26.
admin
Autoradmin