Hallo und ein schönes Frauentagswochenende! Sagen Sie jetzt bitte nicht, der Internationale Frauentag sei ein Ritual, das sich jedes Jahr gleich abspiele. Denn erstmals widmet der Rundblick eine komplette Ausgabe den Frauen in Niedersachsen. Es war nicht meine Idee. Aber als einzige Redakteurin in einem ansonsten männlichen Autorenteam kann ich sagen: Es ist ein gutes Gefühl, Verbündete zu haben. Danke für die Initiative, lieber Niklas Kleinwächter!
In Hagen im Bremischen wird am 8. März eine Ausstellung eröffnet unter dem Titel „Ein Frauendenkmal ist nicht genug“. Die Künstlerin Frauke Beeck befasst sich seit langer Zeit mit Denkmälern, die für Frauen errichtet wurden. Vor kurzer Zeit habe ich an dieser Stelle davon berichtet, dass die Däninnen sich nicht damit zufriedengeben, dass weibliche Statuen oft dick und nackt sind und irgendeine poetische oder allegorische Bedeutung haben, statt eine bestimmte Frau und ihre Verdienste zu würdigen. Wir haben Sie gefragt, welche Niedersächsinnen ein Denkmal oder immerhin einen Platz in der Fotogalerie des Landtages verdient haben. Ein gutes Dutzend Vorschläge hat uns erreicht.

Gleich zweimal genannt wurde Kaiserin Richenza, wohl die mächtigste Niedersächsin aller Zeiten. Nur einmal hat es ein welfisches Paar geschafft, römisch-deutscher Kaiser und Kaiserin zu werden. Das waren Lothar und Richenza, die in Königslutter bestattet sind. Wenn Rang und Namen ein Kriterium dafür ist, ein Denkmal zu bekommen, liegt Richenza weit vorne – gefolgt wahrscheinlich von Annalena Baerbock, die ebenfalls genannt wurde. Ich frage mich, ob Richenza auch so viel kaum erklärlichen Hass auf sich gezogen hat wie Baerbock, als sie mit Lothar ein „consortium regni“, also ein Führungstandem bildete. Oder war das Mittelalter eine frauenfreundlichere Zeit?

Auch die Erste zu sein, die etwas erreicht, entdeckt oder beschrieben hat, kann jemandem ein Denkmal bescheren. Die Schriftstellerin Ricarda Huch – ebenfalls zweimal genannt – war zum Beispiel die erste promovierte Historikerin Deutschlands. Hier muss ich gestehen, dass ich kaum mehr über sie weiß, obwohl ich in Braunschweig geboren bin wie sie. Das gleiche gilt für Agnes Pockels, die die Grundlagen der Oberflächenspannung erforschte und die Schieberinne erfand, oder für Martha Fuchs, die von 1959 bis 1964 Oberbürgermeisterin von Braunschweig war und davor schon die einzige Frau im Ministerrang in den westlichen Besatzungszonen. Vielleicht fangen wir erstmal damit an, ihre Werke zu lesen und ihre Verdienste in der Schule zu vermitteln, bevor wir den Frauen Denkmäler errichten.

Noch nicht einmal gehört hatte ich von der Osnabrückerin Cilli-Maria Kroneck-Salis, die sich zeitlebens für gewaltbetroffene Frauen eingesetzt hat. Wenn das Kriterium lautet, wer die Welt zu einem helleren Ort gemacht hat, dann haben Frauen wie sie ganz bestimmt ein Denkmal verdient. Dazu würde ich auch Hannah Arendt zählen, die unfassbar kluge Dinge zu den Problemen geschrieben hat, die westliche Demokratien gerade belasten.
Bevor ich Ihnen die anderen Denkmal-Kandidatinnen verrate, hier noch die Themen der heutigen Ausgabe:
Denk(mal)würdig sind nach Meinung von Rundblick-Leserinnen und -Lesern außerdem: die Fotografin Käthe Buchler, die Anti-AKW-Aktivistin Marianne Fritzen, die Ministerinnen Daniela Behrens und Julia Willie Hamburg sowie die Staatssekretärinnen Mareike Lotte Wulf und Anke Pörksen.
Ein Wochenende voller guter Diskussionen wünscht Ihnen
Ihre Anne Beelte-Altwig


