25. Feb. 2026 · 
TagesKolumne

Nackt in Dänemark

Däninnen wehren sich dagegen, dass überall Skupturen von Nackten herumstehen - statt von Frauen, die etwas für das Land geleistet haben. Was heißt das für Niedersachsen?

Sie scheinen zu Dänemark zu gehören wie Lego, Lakritzeis und Hot Dogs: Skulpturen von üppigen, nackten Frauen. Als ich das erste Mal entdeckte, wie sich eine von ihnen auf einem repräsentativen öffentlichen Platz räkelte, war ich fasziniert und postete ihr Foto auf Social Media. Eine Freundin fragte, ob das die Mutter der kleinen Meerjungfrau sei. Schöner Gedanke – oder vielleicht ist die Meerjungfrau erwachsen geworden?

Foto von einer Skulptur einer nackten Frau auf einem öffentlichen Platz. Im Hintergrund dänische Fahnen.
Meine erste Nackte im Dänemark-Urlaub. | Foto: Beelte-Altwig

Das Kopenhagener Museum für Kunst im öffentlichen Raum hat jetzt nachgezählt: 1538 Statuen stehen in dänischen Städten. 519 davon sind weiblich, und von diesen wiederum sind 120 ganz oder teilweise nackt. Nur 43 Skulpturen zeigen eine Frau, die etwas Bedeutendes geleistet hat.

„Wenn Aliens sich mit ihrem Raumschiff nach Dänemark verirren würden und dann hier durch die Straßen gingen, müssten sie zu dem Schluss kommen, dass Männer denken und wichtige Dinge tun, während Frauen nur nackt in der Gegend rumstehen.“

So kommentiert das die Autorin und Zeichnerin Maren Uthaug im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Sie hat auf ihrem Instagram-Account sogar Beispiele von Nackten gesammelt, die ihre Brüste zeigen, während sie Gänse füttern und Frösche hüten. Bei den Däninnen scheint sie offene Türen eingerannt zu haben. Frauen schickten ihr immer mehr Fotos von nackten Skulpturen, die sie mit warmen Capes und Mützen bekleidet haben.

Das hat inzwischen zu einer Anfrage im dänischen Parlament geführt. Der Kultusminister wurde gefragt, ob er das Stricken für Skulpturen auch für Vandalismus hält. Nein, das tat er nicht. Wenn ihn etwas empöre, sagte er, dann dass Frauen viel häufiger als nackt und üppig dargestellt werden denn als bedeutsam für die Geschichte des Landes. Maren Uthaug hat bei ihren Followerinnen schon mal Vorschläge gesammelt, welche dänischen Politikerinnen, Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen eine Statue verdient hätten. Nach zwei Stunden hatte sie 150 Namen zusammen.

Landtagspräsidentin Hanna Naber kritisierte neulich auch schon, dass in der „Ahnengalerie“ des Landes im Flur zur ihrem Büro nur zwei Frauen verewigt sind: ihre Vorgängerin Gabriele Andretta und die Astronomin Caroline Herschel. Welche Niedersächsin hätte noch eine Statue verdient? Vorschläge gerne an beelte-altwig@rundblick-niedersachsen.de . Ansonsten kann man aus dem dänischen Beispiel noch etwas lernen, denke ich: Dinge, die Unbehagen auslösen, muss man manchmal gar nicht von oben unterbinden oder, wie man heute sagt, canceln. Dafür sorgen die Leute auch selbst. Wenn es gut läuft, auf die bunte, weiche und wollige Art.

Wir haben heute aus folgenden Themen den Rundblick für Sie gestrickt:

  • Digitalisierung im Ländervergleich: Platz 11 von 16 ist Innenministerin Behrens und Staatssekretärin Pörksen nicht genug. Mit einer Taskforce, neuen Strukturen und neuer Finanzkraft blasen sie zur digitalen Aufholjagd.


  • Einigung im Kabinett: Im Kleingedruckten hat die Landesregierung noch einige Regeln für die Tariftreue, die Anfang 2025 vorgesehen waren, abgeändert. Die Wertgrenzen wurden heraufgesetzt.


  • Paukenschlag in Göttingen: Wenige Monate vor der Kommunalwahl erheben führende Mitarbeiter der Kreisverwaltung schwere Vorwürfe gegen Landrat Marcel Riethig. Dessen politische Karriere dürfte bald beendet sein.


  • Wir sind Bischofskonferenz! Außerdem gibt es einen neuen Klimarat und eine Klage gegen einen Bebauungsplan in Wilhelmshaven.

Kommen Sie gut angezogen durch den Mittwoch!

Ihre Anne Beelte-Altwig

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #037.
Anne Beelte-Altwig
AutorinAnne Beelte-Altwig

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