27. März 2026 · 
P und PBundespolitik

Überlastung, Einstimmigkeit, Kriegsmüdigkeit: Europas Balanceakt in der Ukraine-Frage

Ukraine-Chefdiplomat Adrian Pollmann erklärt in Hannover den Kurs der Bundesregierung. | Foto: Marharyta Vasylieva

Adrian Pollmann, Referatsleiter im Auswärtigen Amt für die Ukraine, hat in Hannover vor einer Überlastung einzelner Staaten bei der Unterstützung der Ukraine gewarnt. Durch den Wegfall von US-Hilfen sei eine massive Lücke entstanden, die nun von anderen Nationen gefüllt werden müsse. „Das ist nicht allein auf deutschen, baltischen und skandinavischen Schultern zu begrenzen“, sagte Pollmann bei einem Town-Hall-Meeting im Neuen Rathaus. Deutschland habe seit Beginn des russischen Großangriffs vor vier Jahren militärische und zivile Hilfen in Milliardenhöhe geleistet. Insgesamt summierten sich die deutschen Unterstützungsleistungen auf mehr als 90 Milliarden Euro. „Das ist nicht nichts“, erwiderte Pollmann auf den Vorwurf, Deutschland leiste nicht genug, und betonte: „Wir geben so viel wir können, aber auch unsere Mittel sind begrenzt.“ Mit Blick auf den Kriegsverlauf sprach der Diplomat von einem „Abnutzungskrieg“. Russland verzeichne täglich rund 1000 militärische Verluste, darunter Gefallene und Verwundete, habe im Jahr 2025 aber nur einen Geländegewinn von einem Prozent erreicht. Nun gehe es darum, die Kriegskosten für Russland weiter zu erhöhen. Das 20. Sanktionspaket, das vor allem auf die russische Schattenflotte mit ihren Öltransporten abzielt, sei bereits in Arbeit. „Es gibt aber einfach Mitgliedsstaaten, die nicht zustimmen. Dann können wir uns anstrengen, so sehr wir wollen. Wir brauchen die Einstimmigkeit auch in Sanktionsfragen, und das setzt die Grenzen“, betonte Pollmann. Auch auf kommunaler Ebene ist Unterstützung keine Selbstverständlichkeit. „Die Solidarität mit der Ukraine hat schon einige Dämpfer erlitten“, sagte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. Gerade deshalb müsse man sich immer wieder klarmachen, dass die Sicherheit Gesamt-Europas auf dem Spiel stehe. „Der Frieden, den wir über Jahrzehnte hinweg genossen haben, wird dort angegriffen. Das ist ein Angriff auf die europäische Struktur“, sagte der Grünen-Politiker und fügte hinzu: „Solidarität ist nicht nur die Frage, welche Waffensysteme liefert man. Sie beginnt schon in der eigenen Stadt.“

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #040.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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