Kurz bevor die CDU in ihren ganz eigenen Skandal schlitterte, stellte die Fraktion im Landtag noch eine Kleine Anfrage zu den Reisekosten von Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD). „Was verbirgt sich hinter den Spesen für die Auslandsreisen?“, wollte die CDU-Abgeordnete Martina Machulla wissen. Nun sind die Antworten da und werfen wiederum die Frage auf, ob sich mit dem Vorgang wirklich der Rechtsausschuss oder nicht doch eher die Verbraucherschutzzentrale befassen sollte. Denn wer die Spesenliste liest, reibt sich ungläubig die Augen und möchte die Reiseplaner im Ministerium fast an die Hand nehmen, um es vor den klassischen Touristenfallen zu warnen.
Auf ihrem siebentägigen Trip nach Singapur sammelte Wahlmanns fünfköpfige Delegation beachtliche 891,20 Euro an Mobilfunkkosten an. Man fragt sich unwillkürlich, ob die Reisegruppe vergessen hat, das Datenroaming auszuschalten und anschließend mehrere Blockbuster auf Netflix gestreamt hat. Auf jeden Fall hätte sich da die Investition in eine lokale Prepaid-Karte am Flughafen gelohnt. Das kostenlose Hotel-WLAN, das bei Übernachtungskosten von 7600 Euro sicher inkludiert war, wäre auch eine preiswerte Alternative gewesen.
Höllisch aufpassen muss man als Touri aber auch auf die Mobilitätskosten vor Ort. Auch wenn die Achtziger-Jahre-Band Felix De Luxe mit ihrem „Taxi nach Paris“ vielleicht große Erwartungen geweckt hat, sollte man in der Stadt der Liebe eher auf die Metro setzen. Ein Tagesticket kostet nur 12,30 Euro. Womit auch immer Wahlmann und ihre sechs Begleiter unterwegs waren, ist der genaue Gegenentwurf dazu: Sie häuften innerhalb von vier Tagen stolze 6110,01 Euro an Fahrtkosten an. Vorm Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle steht wahrscheinlich immer noch ein Taxifahrer, der aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

Und auch wenn die eigene fachspezifische Fremdsprachenausbildung „Französisch für Juristinnen und Juristen“ sowie das Auslandssemester an der Université Paris schon etwas länger zurückliegen: Es empfiehlt sich trotzdem nicht, die erstbesten Dolmetscher anzuheuern, die am Place du Trocadéro-et-du-11-Novembre ihre Dienste anbieten. Denn dann kommt man schnell auf Übersetzerkosten von insgesamt 5615 Euro. Mein Spartipp: Da, wo das eingestaubte Schulfranzösisch nicht mehr hilft, einfach den Google Übersetzer benutzen oder freundlich lächeln und nicken. Wer französisches Know-how zum Thema Justizvollzug sucht, braucht schließlich nur „Überwachen und Strafen“ von Michel Foucault lesen. Das kriegt man im Antiquariat in Hannover übrigens schon für ’nen Zehner.
Eine noch bessere Lektüre für Philosophen und Juristen bietet der heutige Rundblick. Wir haben folgende Themen für Sie:
Einen schönen Donnerstag ohne teure Überraschungen wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link


