Matthias Micus (Mitte) und Florian Finkbeiner (links) vom Institut für Demokratieforschung bei der Pressekonferenz in Hannover - Foto: kw[/caption]
Besonders ausgeprägt sei das Empfinden einer Ungerechtigkeit. Nur zwei Prozent meinten, in Deutschland gehe es insgesamt „sehr gerecht“ zu, 37 Prozent meinten „eher gerecht“, während 27 Prozent der Ansicht seien, es gehe „eher ungerecht“ oder „sehr ungerecht“ zu. Näher aufgegliedert, was hier unter Gerechtigkeit verstanden wird, wurden die Angaben allerdings nicht. Gefragt wurde auch nach den Einstellungen der Menschen. 60 Prozent der befragten Niedersachsen meinten, Deutschland brauche eine starke Führung, an deren Vorgaben sich alle halten müssten. 57 Prozent meinten, man müsse für Recht und Ordnung „härter gegen Außenseiter und Unruhestifter vorgehen“.
Gut jeder dritte Befragte hatte angegeben, die Politiker würden „gegen die Interessen der einfachen Bevölkerung handeln“. 80 Prozent gaben an, die Politiker sollten sich voll und ganz nach den Vorgaben ihrer Wähler richten – also ein imperatives Mandat ausüben, das laut Grundgesetz nicht vorgesehen ist. Nur 49 Prozent der Befragten gaben an, Minderheitenrechte und das staatliche Gewaltmonopol gehörten unbedingt zur Demokratie. 20 Prozent erklärten, die Austragung von Konflikten gehöre nicht zu diesem System.
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In diesen Antworten erkennt das IfD eine große Vielfalt an Vorstellungen von Demokratie, die von der Befürwortung des repräsentativen Gedankens bis hin zu einer Weisungsgebundenheit der Volksvertreter und einer Stände-Ordnung reichten. Zur Debatte über eine im vergangenen Jahr von der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgelegten Studie zu rechtsextremen Einstellungen sagte Micus, das IfD übernehme die damals vertretene These nicht, dass autoritäre Haltungen automatisch auf einen Standort außerhalb des demokratischen Systems deuteten. Vielmehr müsse man bei vielen Antworten näher untersuchen, welche Motive und Vorstellungen bei den Betroffenen vorherrschen – und welche Reformen am System sie wirklich wollten.


