5. Feb. 2026 · 
TagesKolumne

Streusalz als Politikum

Schnee und Eis regen die Menschen auf. So oder so. Ist das nicht schön, wenn die Themen wieder so simpel sind, dass jeder dazu eine Meinung haben kann? TagesKolumne sagt: We Like.

Die Tage unterhielten sich zwei Kollegen am Rande der Landespressekonferenz über das Wetter. Sonne, Regen, Sturm und Schnee sind ja sowieso das offiziell anerkannt beste Smalltalk-Thema, das es gibt. Und im Moment hat das Ganze sogar durchaus auch eine politische Komponente – eignet sich also auch für die gehobene Form der Randgespräche und immer wieder für diese Kolumne.

Einer der Kollegen berichtete jedenfalls, welche Art von Beiträgen bei seinem Medium gerade am besten klicken. Ich glaube, ich verrate hier keine geheimen Interna, wenn ich diese Information nun weitertragen. Er sagte, der absolute Renner sei ein Meinungsbeitrag, in dem sich ein Redakteur furchtbar darüber aufregt, dass heute alle so über den Schnee und die Glätte schimpfen. Meine Güte, es ist doch bloß Winter!

Zeigt, wie man sich bei Schnee und Glätte nicht fortbewegen sollte: diese Frau auf einem Stock-Foto. | Foto: PicTour Studio via Getty Images

Die Erregungsspirale ist immer wieder ein wunderschönes Naturschauspiel. Zuerst regen sich die Leute über etwas auf – zum Beispiel über Schnee auf Straßen und Gehwegen, der den Weg in den Kindergarten, die Schule oder den Arbeitsplatz behindert – und dann regt sich jemand über diejenigen auf, die sich so furchtbar aufregen, weil es doch gar keinen Grund gibt, sich aufzuregen.

Die nächste Wendung ist dann häufig eine Form von Relativierung, oder Neudeutsch: Whataboutism. Eine Variante, will ich immer gelten lassen: Minus fünf Grad und bisschen gefrorener Schnee am Straßenrand ist einfach mal gar nichts im Vergleich zu den lebensbedrohlichen Zuständen in Kiew und Co.

Man kann aber auch sagen: In Hannover ist es mit dem Schnee und dem Eis noch bei weitem nicht so schlimm wie in Berlin. Und – seien wir mal ehrlich – nichts ist jemals so schlimm wie in Berlin. Gut also, dass jemand aus Hannover sich gerade anschickt, auf Berliner Straßen für Ordnung zu sorgen. Erst am vergangenen Morgen erklärte mir Regionspräsident Steffen Krach in einem Hauptstadt-Podcast, was Kai Wegner alles falsch macht.

Zum Glück läuft das hier im Herzen Niedersachsens alles rund. Deshalb musste am Mittwoch in der Region auch nicht überall der Präsenzunterricht abgesagt werden. Ach nee, warten Sie kurz…



War Ihnen das genug undifferenziertes Wetter-Gemecker? Sehr gut, dann kommen wir jetzt zu fundierterer Berichterstattung. Das sind unsere heutigen Rundblick-Themen:

  • Gute Arbeit: Stellenabbau hier, Fachkräftemangel dort: Ein neues Job-to-Job-Netzwerk für Niedersachsen soll Beschäftigte direkt zwischen Betrieben vermitteln – bevor Arbeitslosigkeit entsteht.


  • Weniger Kinder: Freie Plätze gibt es auf dem Land sowie in Osnabrück, Wolfsburg und Hannover. Experten raten: Jetzt keine Gruppen zusammenlegen oder schließen, sondern in Qualität investieren.


  • Bessere Sprachbildug: Wer in die Grundschule kommt und kein Deutsch spricht, hat sofort große Schwierigkeiten. Die CDU fordert deshalb, Sprachtests und Sprachförderung vorzuziehen. Ein guter Vorschlag?


  • Personen und Positionen: Jörn P. Makko, Rita Skorka, Ronja Laemmerhirt.

Schlittern Sie gut durch den Donnerstag!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #023.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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