15. Juli 2026 · 
MeldungWirtschaft

Stimmungsumschwung bleibt weiter aus: Niedersachsens Wirtschaft tritt auf der Stelle

Die IHK Niedersachsen warnt zur Jahresmitte vor einer zähen „Non-junktur“: Hohe Standortkosten und trübe Erwartungen bremsen Investitionen in fast allen Branchen.

Die Stimmung in der niedersächsischen Wirtschaft hat sich zur Jahresmitte leicht verbessert. Für einen nachhaltigen Aufschwung reicht das nach Einschätzung der IHK Niedersachsen (IHKN) jedoch nicht. Das Land verharre in einer „Non-junktur“: Erste Reformankündigungen wecken zwar Hoffnungen, die strukturellen Belastungen bleiben jedoch bestehen. „Die Unternehmen sehen, dass sich politisch etwas bewegt. Für einen echten und nachhaltigen Stimmungsumschwung reicht das aber nicht“, heißt es. Hohe Energie- und Arbeitskosten, eine schwache Inlandsnachfrage sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bremsen weiterhin Investitionen und Neueinstellungen.

Die Stimmung in der Wirtschaft steigt nur leicht. | Grafik: IHKN

Besonders schwierig bleibt die Lage in der Industrie. Zwar haben sich die Exporterwartungen leicht verbessert, gleichzeitig verschlechtert sich die Stimmung im Automotive-Bereich und in der Chemie. Der Einzelhandel leidet weiter unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher, vor allem bei Nahrungs- und Genussmitteln. Im Gastgewerbe sorgt die Tourismussaison zwar für etwas Entlastung im Beherbergungsbereich, im Restaurantgeschäft bleibt die Lage jedoch verhalten. Positiv entwickelt sich dagegen das Kredit- und Versicherungsgeschäft der Finanzdienstleister.

Die regionalen Umfragen bestätigen dieses Bild. Im Raum Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hat sich die aktuelle Geschäftslage zwar verbessert, der Erwartungssaldo bleibt mit minus 23 Punkten jedoch deutlich negativ. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Maßnahmen schnell und unbürokratisch umgesetzt werden und tatsächlich in den Betrieben ankommen“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. In Nordostniedersachsen reagieren erste international tätige Industriebetriebe bereits auf die hohen Standortkosten, indem sie Stellen im Inland abbauen und ihre Investitionen im Ausland ausweiten. „Die Konjunktur hellt sich etwas auf, von einem Aufschwung kann aber keine Rede sein“, bilanziert IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Auch im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg hat sich die ohnehin schwache Investitionsbereitschaft weiter verschlechtert. IHK-Hauptgeschäftsführer Florian Löbermann fordert eine schnelle Umsetzung der angekündigten Verfahrensbeschleunigungen: „In dieser langanhaltenden Schwächephase ist für die Unternehmen entscheidend, dass die Beschleunigung bei Anträgen möglichst schnell kommt und nicht erst ab Ende 2027.“

Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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