300 Genossen wollten Kevin Kühnert in Hannover sehen - Foto: kw[/caption]
Am gestrigen Donnerstagabend haben sich im hannoverschen Steintorviertel etwa 300 niedersächsische Genossen zusammengefunden, Juso-Mitglieder vorwiegend und viele Senioren, um sich über die aktuelle Lage auszutauschen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die SPD sich beim bevorstehenden Mitgliedervotum für die Beteiligung an einer Großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel aussprechen sollte. Wäre das die Rettung oder der Untergang? Kevin Kühnert ist gekommen, der Juso-Bundesvorsitzende und Anführer der Kampagne, die für ein „Nein“ wirbt. Sein Gegenpart ist Matthias Miersch, hannoverscher SPD-Unterbezirkschef und in Berlin als Bundestagsabgeordneter der Sprecher der „Parlamentarischen Linken“. Er plädiert, obwohl wahrlich kein Freund einer Kooperation mit der CDU, für die Große Koalition. Aber es geht nicht nur um diese Frage, unausgesprochen schwebt über dieser Veranstaltung die Sorge, es könne mit der SPD noch viel weiter bergab gehen in der nächsten Zeit. Die neuesten Umfragen sehen sie bundesweit schon unter 20 Prozent. Zwischen SPD und AfD wird der Abstand immer kleiner. Was nun wäre die richtige Therapie für die kränkelnde Partei?
Wenn wir nun Angst vor Neuwahlen haben, dann können wir doch gleich einpacken.
Kevin Kühnert
Kühnert und Miersch treten an diesem Abend ähnlich auf – ruhig, überlegt, nicht effekterheischend. Als erster redet der Juso-Chef, und er lobt zunächst die Streitkultur in der SPD, dem „derzeit spannendsten Debattenort in der Republik“. In den vergangenen vier Jahren Großer Koalition sei die SPD nicht mehr sichtbar geworden, sie erscheine „nur noch als Korrektivpartei, die sich am Tagesgeschäft abarbeitet“. Dann sei der ausgehandelte neue Koalitionsvertrag enttäuschend, weil es darin nur so vor Prüfaufträgen und Kommissionen wimmele. „Die meisten Ergebnisse liegen dann gar nicht mehr in dieser Wahlperiode vor, damit wird die nächste Generation belastet.“ Zum Beispiel der Klimaschutz. Kühnert beklagt das hohe Durchschnittsalter der SPD-Verhandlungskommission, in der Generalsekretär Lars Klingbeil mit 39 der Jüngste gewesen sei – und man sehe das auch am Ergebnis, etwa an der geringen Rolle, die das Thema Digitalisierung spiele. Der Juso-Vorsitzende erntet in dem überwiegend jungen Publikum kräftigen Applaus, als er in seinem ruhigen Tonfall hinzufügt: „Wenn wir nun Angst vor Neuwahlen haben, dann können wir doch gleich einpacken.“


