19. Juni 2019
Finanzen

Lehrerbesoldung: Groko denkt über Stufenmodell nach

Wenn die Landesregierung Ende Juni in ihrer Klausurtagung über den Etat für das kommende Jahr verhandelt, stehen mehrere umstrittene Punkte auf dem Programm: Zunächst geht es um die Frage, wie ein Weihnachtsgeld für die rund 200.000 Beamten und Pensionäre des Landes ausgerichtet sein soll. Als nächstes ist die Besoldung der Grundschullehrer ein Thema, nach Rundblick-Informationen wird inzwischen über einen „Stufenplan“ diskutiert, der eine schrittweise Angleichung von bisher A12 auf A13 vorsieht. Die dritte große Baustelle ist der Neubau des Landeskriminalamtes in Hannover. Die Steigerung der Kostenschätzung könnte eine Verzögerung zur Folge haben – und das wiederum alarmiert die Innenpolitiker in der Großen Koalition. Weihnachtsgeld: Beide Koalitionsparteien haben ihren grundsätzlichen Willen, eine „Jahressonderzahlung“ einzuführen, bereits bekundet. Über den Weg dahin gibt es aber noch Diskussionsbedarf. Angeblich soll eine Summe von rund 100 Millionen Euro für diesen Zweck reserviert werden. Dass bei der Deckung der Mehrausgabe in CDU-Kreisen über eine prozentuale Sparauflage für alle Ministerien nachgedacht wird, hat bei der SPD Bedenken ausgelöst. In diesem Fall wären vor allem die sozialdemokratisch geführten Häuser, also das Innen-, Kultus- und Sozialministerium, wegen ihres hohen Etatvolumens besonders betroffen. Die CDU hat ein Weihnachtsgeld von 300 Euro für jeden aktiven Beamten und 200 Euro für Pensionäre vorgeschlagen, außerdem einen verbesserten Kinder-Zuschuss (bisher je 120 Euro für das erste und zweite Beamtenkind). Die SPD hat sich noch nicht festgelegt, könnte aber der Richtung der Grünen folgen wollen, die unteren Besoldungsstufen bis A10 besser zu berücksichtigen als die höheren. Dieser Weg deutet sich an.
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Lehrerbesoldung: Rund 40.000 Lehrer werden in Niedersachsen noch nach A12 bezahlt (rund 3500 Euro brutto im Einstiegsamt). Mehrere Nachbarländer gehen dazu über, als unterste Stufe der Lehrerbesoldung A13 anzusetzen, das wären 400 bis 500 Euro monatlich mehr. Wollte man alle Kräfte in Niedersachsen mit mindestens A13 besolden, so kostete das 220 Millionen Euro im Jahr. Wie der Rundblick aus Regierungskreisen erfahren hat, wird an einem „Stufenmodell“ gearbeitet: Im nächsten Jahr könnten alle Grund- und Hauptschullehrer eine Zulage von rund 185 Euro monatlich erhalten, verknüpft mit der Ankündigung, schrittweise bis zum Jahr 2026 die volle Höhe von A13 zu erreichen. Das würde den Landesetat dann um 90 Millionen Euro zusätzlich belasten. Dazu müsste das Besoldungsgesetz geändert werden. Dieser Schritt ist aber juristisch umstritten. Die Befürworter, etwa in der GEW, halten die Tätigkeiten von Gymnasial-, Real-, Haupt- und Grundschullehrern für zwar verschiedenartig, aber gleichwertig – da die einen auf gestiegene Herausforderungen im Schulalltag mehr pädagogisch, die anderen mehr fachdidaktisch reagieren müssten. Aus dem Philologenverband wird dagegen eingewandt, die Tätigkeiten seien grundverschieden, das müsse sich auch im Abstand der Besoldung ausdrücken und alles andere sei rechtswidrig. Ein Umstand verschärft den Druck: Vom Schuljahr 2020/2021 an kommt wegen der G9-Umstellung der erste neue 13. Jahrgang an die Gymnasien. Ausgebildete Gymnasiallehrer können dann nicht mehr so gut an andere Schulformen abgeordnet werden, weil sie an Gymnasien gebraucht werden. Es entsteht dann plötzlich ein riesiger Mehrbedarf an neuen Grundschullehrern – und der Wettstreit mit den anderen Bundesländern verschärft sich. Landeskriminalamt: Im Haushaltsplan für dieses Jahr hatten SPD und CDU eine Summe von 128 Millionen Euro für den Neubau des Landeskriminalamtes – einschließlich Laboren und Analysestationen – verankert. Doch die Ausschreibung dieses Großvorhabens gestaltet sich schwierig, vor allem wegen der Baukostensteigerung. Das Finanzministerium hatte sich im März im Innenausschuss dahingehend geäußert, dass bei Kostenüberschreitungen der Zeitplan gestreckt werden müsse. Das LKA würde dann später fertig werden. Bisher ist der Baubeginn für Ende dieses Jahres vorgesehen gewesen, die Fertigstellung der ersten Teile für 2021. Schon im März war von 13 Millionen Euro an Zusatzausgaben wegen der Baupreise die Rede gewesen, inzwischen soll es sich um mehr als 40 Millionen Euro handeln. Die Innenpolitiker streiten dafür, das Vorhaben nicht auf die lange Bank zu schieben – denn die Kriminalisten warteten schon lange genug auf den Neubau. Das Finanzministerium teilt mit, derzeit laufe das Vergabeverfahren, dieses sei „sehr komplex und aufwendig“, Details seien vertraulich.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #114.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter