Gero Hocker (FDP) liest „Ein verheißenes Land“ von Barack Obama:
„Das Image Amerikas hat gelitten. Nicht erst mit der zweiten Trump-Administration, sondern mindestens bereits mit dem zweiten Irakkrieg 2003 hat die Politik der USA ihren zuvor in der westlichen Welt wohl unangefochtenen moralischen Führungsanspruch in Gefahr gebracht.

In weiten Teilen Europas – besonders in Deutschland – scheinen weite gesellschaftliche Kreise auf diese Entwicklung schon lange gewartet zu haben. All diejenigen, die mit Individualismus, mit Leistungsorientierung, mit der sozialen Marktwirtschaft und der engen Freundschaft zwischen den USA und Israel schon lange fremdeln und schon lange antiamerikanische Ressentiments in Gesellschaft und Kultur bedienen, wetzen seit diesen Entwicklungen erst recht die Messer gegen westliche Werte und die freie Selbstbestimmung des Individuums.
Barack Obama zeichnet als erster afroamerikanischer Präsident ein anderes Bild von seinem Land – obwohl er wie vielleicht kein Präsident vor ihm auch die Herausforderungen einer Gesellschaft erlebt hat, die die im Alltag zutiefst verwurzelte Chance auf individuelle Verwirklichung mit sich bringt. Zwischen Finanzkrise und Bin-Laden-Operation beschreibt er den unerschütterlichen Optimismus, den sprichwörtlichen Glauben an eine gute Zukunft, die Chance auf individuellen sozialen Aufstieg losgelöst von Ethnie, Religion oder Hautfarbe, das Vertrauen, dass die Übernahme von Verantwortung und individuellem Risiko gewertschätzt anstatt im Falle des Scheiterns mit Häme überzogen wird. Fast jeder, der schon einmal in den USA gelebt und sich um eine objektive Betrachtung von Land, Gesellschaft und Kultur bemüht hat, hat diese Realität kennen und in den meisten Fällen lieben gelernt. Dass der 44. Präsident der Vereinigten Staaten vor seiner Wahl, während seiner Ausübung und nach Ausscheiden aus diesem Amt diese Beschreibung nicht in Frage stellt oder gar revidiert, bereitet Hoffnung, dass Freiheit, Toleranz und Individualität nicht Teil der Erzählung des 20. Jahrhunderts sind, sondern ebenso die Grundfesten für eine hoffnungsvolle Zukunft – der USA, Europas und für Menschen in der ganzen Welt.“


