29. Apr. 2019
Wirtschaft

Softwareexperten beklagen bürokratische Hürden bei Förderanträgen

Wie gut ist Deutschland gerüstet, wenn es darum geht, bei der „künstlichen Intelligenz“ (KI) Zeichen zu setzen und neue Unternehmen mit Anschubfinanzierungen zu helfen? In einer Anhörung vor dem Wissenschaftsausschuss des Landtags wurde teilweise heftige Kritik vorgetragen. Der IT-Unternehmer Arvin Arora aus Hannover beispielsweise, der seit 30 Jahren im Geschäft ist und oft zusammen mit „Hannover-Impuls“ kooperiert, beklagte Mängel bei den Förderanträgen. Auf einen Antrag, den er vergangenen Dezember eingereicht habe, warte er bis heute auf eine Rückmeldung. Das sei aber schwierig, „da bei KI der Innovationszyklus zwischen sechs und zwölf Monaten“ liege. Außerdem seien viele Gutachter, die etwa bei der N-Bank zur Beurteilung hinzugezogen werden, offenbar überlastet. Daher verzögere sich die Antragsbearbeitung. Die Musik bei der KI spiele zwar in Nordamerika und in Südostasien, vor allem China. Aber kleinere Firmen hätten in Deutschland eine Chance, wenn man die Vorzüge des hiesigen Wirtschaftssystems – eine Vielfalt und kleinen Firmen des Mittelstandes – zu nutzen imstande sei. Dafür müsse früh klar sein, um welche Budgets sich Firmen bewerben könnten, welche Antragsunterlagen wirklich nötig sind und welche Vernetzungen denkbar sind. Arora wirbt, wie im Übrigen mehrere Wissenschaftler, für ein „Kompetenzzentrum KI“, also eine gebündelte Stelle, die unternehmerische Initiativen dieser Art in Niedersachsen fördert, unterstützt und begleitet. Die Göttinger Professorin für Informatik, Delphine Reinhardt, die die Forschungsgruppe „Computersicherheit und Privatheit“ leitet, sieht praktische Probleme bei einer stärkeren Nutzung der KI in der Arbeitswelt – nämlich den „menschlichen Faktor“. So dauere es immer noch bis zu drei Tage, wenn man seine Festplatte löschen will, damit der Übernehmer nicht auf dortige Daten zurückgreifen kann. Auch seien die Nutzer überfordert, sich bis zu zehn verschiedene Passwörter zu merken, die alle drei Monate geändert werden sollten. Der Soziologe Prof. Berthold Vogel aus Göttingen warb dafür, bei Themen wie Digitalisierung und KI verschiedene Disziplinen einzubeziehen. Bei Sozialwissenschaftlern gebe es oft die Neigung, dieses Feld allein den technischen Wissenschaften zu überlassen. Dabei sei die Frage, was man alles den Robotern überlassen dürfe und was nicht, eine zentrale Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts – etwa beim Thema Pflege oder auch bei der generellen Überlegung, ob der Mensch bei der KI „noch Herr im eigenen Haus“ sein könne.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #080.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning