Bis vor Kurzem dachte ich noch, dass man Hobby Horsing nicht mehr toppen könne. Leute, die mit Steckenpferden über Hindernisse springen und daraus einen Wettbewerb machen – viel weiter, so glaubte ich, lässt sich die Wirklichkeit nicht dehnen. Und ich bin schon als Ork verkleidet beim Live Action Role Playing (LARP) von Schaumstoffschwertern niedergestreckt worden.
Kürzlich stolperte ich jedoch auf dem Blog der Firma Sport Thieme aus Grasleben (Kreis Helmstedt) über die logische Fortsetzung dieses Trends: Hobby Dogging. Man läuft einen Agility-Parcours, führt eine Leine mit sich und gibt sogar Kommandos – nur eben ohne Hund. "Sag deutlich ,Sitz’, und schau an die Stelle, an der dein imaginärer Hund sitzen soll. Warte 2–3 Sek", heißt es in der Anleitung zum Kommandotraining. "Verrückt!", entfuhr es mir daraufhin, und ich schaute auf die Stelle, an der mein imaginärer Bürohund alle Viere von sich gestreckt hatte.
Handelt es sich beim Hobby Dogging um eine Sportart? "Absolut", sagt der Sportartikelhersteller, der das dafür nötige Zubehör verkauft. Hobby Dogging empfehle sich aber auch für all jene, die vor dem Einzug eines echten Hundes schon mal die Bewegungsabläufe üben wollen oder gar keinen eigenen Hund besitzen möchten.

Als Katzenhaarallergiker, der nie eine Katze besitzen wird, habe ich kurzerhand das Hobby-Catsitting erfunden. Die Regeln sind einfach: Man steht vor einem leeren Sofa und streichelt vorsichtig die Stelle, an der eine Katze liegen könnte. Zwischendurch zieht man die Hand reflexartig zurück, um nicht gebissen oder gekratzt zu werden. Und während man das tut, wird man grundlos verachtet.
Wer keine Katzen mag, kann es mit Hobby-Aquaristik versuchen: Man sitzt vor einem leeren Glasbecken, füttert imaginäre Fische und macht ab und zu das Licht an, nur um festzustellen, wie angenehm ruhig es heute wieder ist. Für Kinderlose empfiehlt sich der Hobby-Elternabend, bei dem man mit sich selbst über die Entwicklung eines Kindes diskutiert, das nie eingeschult wurde, und am Ende trotzdem unzufrieden nach Hause geht.
Und dann gibt es noch, ganz naheliegend, die Hobby-Politik. Man löst Probleme, die man sich vorher selbst ausgedacht hat – und ist anschließend so erschöpft von der eigenen Tatkraft, dass man sich eine ganz reale Diätenerhöhung vom ganz realen Haushaltskonto gönnt.
Bevor Sie sich jetzt noch dazu entscheiden, eine Runde "Hobby Rundblicking" auszuprobieren, möchte ich zu den Themen der heutigen Ausgabe überleiten. Wir berichten über:
Mit hobbymäßigen Grüßen verabschiedet sich,
Ihr Christian Wilhelm Link


