26. Mai 2026 · 
TagesKolumne

Sicherheitsübung

Ein Feueralarm im Rundblick-Tower zeigt: So gut sind wir auf den Ernstfall gar nicht vorbereitet. Und wie sieht das so im gesamten Land aus? Die Schwachstelle ist der Einzelne.

Als ich neulich morgens zur Arbeit kam, stand die Belegschaft der in unserem Bürogebäude untergebrachten Behörden-Abteilungen auf dem Köbelinger Markt versammelt. Manche trugen gelbe Westen, was mich spontan an einen Streik denken ließ. Vielleicht auch nur ein Betriebsausflug? Erst als ich ins Treppenhaus trat, fiel mir ein ungewöhnlicher Signalton auf. War das ein Feueralarm? Mir kam ein Mitarbeiter eines anderen Büros entgegen. Irritiert bestätigten wir einander: Das war ein Feueralarm. Also gingen wir wieder hinaus. Als ich die Grüppchen auf dem von Bäumen beschatteten Parkplatz genauer betrachtete, fiel mir eine Systematik auf. Sie standen dort sortiert nach Etagen. Jede Gruppe hatte ihren eigenen Gelbwesten-Träger. Manche Menschen sahen besonders bedeutend aus, denn sie trugen ein Klemmbrett.

Wer den Plan hat, hat eine natürliche Autorität. | Foto: mihailomilovanovic via Getty Images

Wie so häufig in meinem Berufsleben, ist aber nicht nur wichtig zu sehen, was da ist. Man muss auch erkennen, was fehlt. An diesem Morgen waren das meine Kollegen. Zumindest diejenigen, die um 9 Uhr schon an ihren Schreibtischen zu sitzen pflegten. Also rief ich mal kurz oben im fünften Stock an. Alles ok? Seid ihr im Büro? Hört ihr nicht den Alarmton? Sie hatten von dem Trubel im restlichen Haus tatsächlich nichts mitbekommen. Nun kamen sie rasch herunter. Wobei es durchaus Potenzial zur Beschleunigung der Flucht vorm möglichen Feuer gegeben hätte. Als die beiden Kollegen die vielen Treppen herunterliefen, warnte ich alle anderen über unseren Gruppenchat, damit sie nicht blindlinks in ihr Verderben liefen.

Als wir dann zu dritt unten standen, warteten wir etwas ratlos auf jemanden mit Autorität. Schließlich kam er, mit offiziell aussehender Funktionsjacke und besonders solidem Klemmbrett. Darauf notierte er gerade, wer den Anweisungen zum Verlassen des Arbeitsplatzes nicht sofort Folge geleistet hatte. So erfuhren wir: Das war nur ein Test. Andernfalls hätte es auch schon viel zu lang gedauert, bis die Feuerwehr kommt.

Dass hier nur der Ernstfall geprobt wurde, beruhigt mich. Denn so vieles hat gar nicht mal so gut funktioniert. Immerhin lobte der Brandschutzbeauftragte der anderen Büroflächenmieter uns drei, weil wir auf den Alarm reagiert hatten ohne tatsächlich gemeint gewesen zu sein. Hätte es aber tatsächlich im ersten Stock gebrannt, hätten wir das oben unterm Dach erfahren? In der anschließenden Redaktionskonferenz nutzten wir den Anlass, um die Abläufe für den Fall der Fälle noch einmal durchzusprechen und zu klären, wie mögliche Mängel beseitigt werden können. Wichtiger Hinweis: Vergesst den Kollegen im Videoschnittraum nicht, der da gerne mal im Dunkeln hinter verschlossener Tür und mit Kopfhörern sitzt.

Die Rundblick-Redaktion ist jetzt zumindest für ein mögliches Krisenszenario gewappnet. Wie sich das gesamte Land gerade auf ganz andere Situationen vorbereitet, fassen wir im heutigen Rundblick noch einmal zusammen. Unsere Themen im Überblick:

  • Religionsunterricht: Nach mehrjähriger Vorbereitung schlägt Niedersachsen mit dem gemeinsam verantworteten Religionsunterricht ein neues Kapitel der konfessionsübergreifenden Wertebildung auf.


  • Vetternwirtschaft? War es verkehrt, dass der Schwager eines SPD-Bundestagsabgeordneten die Leitung des „Hauses der Vielfalt“ in Braunschweig übernommen hat? Eine Personalie verursacht viel Wirbel.


  • Sicherheit: Seit einem Dreivierteljahr beratschlagen Vertreter der niedersächsischen Zivilgesellschaft, welche Aufgaben vorm Spannungsfall zu klären sind. Wie kommen sie voran? Ein Überblick.


  • Personen und Positionen: Inge Wettig-Danielmeier, Franz Josef Sickelmann, Sebastian Lechner.

Starten Sie sicher in die neue Woche!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #095.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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