Huch, so viel los hier... Ist ja auch der Hafen in Hamburg - Foto: Jakob Brüning[/caption]
Geisterhafen, Pleitehafen, ungenutzte Containerbrücken im Niemandsland: Der Jade-Weser-Port hat seit seinem Start im September 2012 schon viel Kritik einstecken müssen. Der Hafen sei nun mal in einer Phase beschlossen worden, in der man noch von weiterem Wachstum in der Containerschifffahrt ausging, sagt Jasper Strauß, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbandes Jade (AWV). „Man ist damals voll in den Knick hineingerauscht.“ Strauß sieht die Zukunft des Hafens dennoch optimistisch: „Es bleibt dabei: Man wird größere Schiffe bauen und kleinere nach und nach vom Markt nehmen. Das geht alles nur nicht so schnell, wie wir uns das vorstellen.“ Hinzu komme, dass Hamburg als Hafen nicht attraktiver werde. Das betreffe nicht nur die Diskussion um die Elbvertiefung, sondern auch das Thema Verkehrsinfrastruktur. „Hamburg ist ein riesiges Nadelöhr. Wenn die Ladung vom Schiff kommt, steht der Lastwagen erst einmal im Stau“, sagt Strauß.
Auch andere Experten glauben langfristig an einen Erfolg von Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen. Es fehle teilweise aber noch an der nötigen Infrastruktur. Ein immer wieder genanntes Beispiel: Der sogenannte Megahub in Lehrte. In der Diskussion um die Planung des riesigen Containerumschlagplatzes geht es derzeit unter anderem um nächtlichen Lastwagen-Lärm und den Brandschutz auf dem Gelände. Die Stellungnahme der Stadt Lehrte, in der zahlreiche Kritikpunkte aufgeführt sind, liegt jetzt beim Eisenbahnbundesamt. Im schlimmsten Fall droht ein neues Planfeststellungsverfahren. Dann könnte man sich von der Inbetriebnahme im Jahr 2019 verabschieden. Ein weiterer Tiefschlag für die Tiefwasserhafen.
Auch dem Wunsch nach einem Norddeutschen Hafenkonzept ist man noch nicht näher gekommen. Und das, obwohl unter anderem Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies bei jeder sich bietenden Gelegenheit dafür wirbt. Die deutschen Häfen stünden weniger untereinander als vielmehr in einem europäischen Wettbewerb. Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam – das sind die Namen der Häfen, die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. AWV-Hauptgeschäftsführer Jasper Strauß plädiert ebenso für ein Norddeutsches Hafenkonzept: „Auch die Hamburger werden irgendwann erkennen, dass sie so ein Konzept brauchen. Ansonsten streiten sich drei Bundesländer und die Niederländer sind der lachende Dritte.“
Wer einen Hafen plant, baut und betreibt, rechnet in Jahrzehnten. Und so kommt es, dass trotz des holperigen Starts des Jade-Weser-Ports schon über eine zweite Ausbaustufe nachgedacht wird. Zu einem Planfeststellungsverfahren soll es aber erst kommen, wenn der Hafen „stabiler im Markt“ ist, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium in Hannover. Voraussetzung sei, dass sich der Umschlag auf eine Million Container pro Jahr verdoppelt. Viele Experten meinen übereinstimmend, dass diese Entwicklung nicht unrealistisch und zu erwarten ist. Für den Jade-Weser-Port gilt allerdings das folgende Sprichwort in besonderem Maße: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ (MB.)

