27. Jan. 2026 · 
TagesKolumne

Schneegeschwurbel

Schnee im Winter bringt alle aus der Fassung. Auf wen ist noch Verlass, wenn die Flocken fallen? Auf Schulhausmeister und Einzelhändler, behauptet die TagesKolumne.

Es hat also wieder geschneit. Im Winter. Ich bin fassungslos! Und mit mir scheinbar viele andere Menschen, die sich mental doch eigentlich schon auf Frühling eingestellt hatten. Stattdessen: Unterrichtsausfall. Zugausfall. Motivationsausfall.

Schon vor 14 Tagen haben wir uns gefragt: Hätte man darauf nicht vorbereitet sein müssen – mit ausreichend Schneeschiebern, Streusand und Winterstiefeln? Aber mit der Vorsorge ist das ja so eine Sache: Wer im Sommer einen Schneeschieber kauft, wird schräg angeguckt. Den Wert erkennt man meist erst dann, wenn es bereits zu spät ist.

Der Prepper von heute hat neben Ravioli-Dosen auch einen Schneeschieber im Keller. | Foto: cmannphoto via Getty Images

Als kürzlich in Teilen Berlins infolge eines mutmaßlich linksextremen Brandanschlags tagelang der Strom ausblieb, fingen die Leute an, sich kleine Gaskocher zu besorgen. Zumindest diejenigen, die noch den Weg zum Baumarkt zurücklegen konnten. Die anderen mussten auf die Rückkehr des Internets warten, damit sie ihn bei Amazon bestellen konnten. Wer das tut, nimmt sein Leben immerhin selbst in die Hand.

Als ich am Montagmorgen auf meinem Fußweg zur Arbeit so durch den Schnee stapfte, dachte ich wieder viel über ein Gespräch nach, das ich Anfang des Jahres geführt habe. (Es kommt mir vor, als wäre das ewig her.) Wir unterhielten uns über die schlechte Laune der Menschen, die wiederum Grund für eine extreme Wahlentscheidung sein könnte. Ich meinte, die Menschen beklagten doch zu Recht, dass in diesem Staat nicht mal mehr die einfachsten Dinge klappten: rasch einen Termin bei der Zulassungsstelle zu bekommen – oder dass die Wege vom Schnee befreit werden.

Die Antwort meines Gesprächspartners traf den Nagel auf den Kopf: Dass die Gehwege vom Schnee befreit werden, sei doch Aufgabe der Grundstückseigentümer oder ihrer Mieter. Wir sollten also alle mal anfangen, vor der eigenen Türe zu kehren. Wenn das gelingt, kämen wir alle einen guten Schritt schneller voran.

Wenn’s die Woche noch mal schneit, wähle ich meinen Weg übrigens wieder entlang von Grundschulen und Einkaufsläden. Denn dort wird immer zeitig der Schnee geräumt. Auf Schulhausmeister und Einzelhändler ist nämlich Verlass!



Verlass ist auch darauf, dass ich Ihnen an dieser Stelle unsere Themen des Tages präsentiere. Hier kommen sie:

  • Gegen Spanner: Ein erster Vorstoß in der Justizministerkonferenz scheiterte. Jetzt versucht es Kathrin Wahlmann über den Bundesrat. Betroffene schildern erniedrigende Erlebnisse mit Spannern.


  • Mit Kettensäge: Kürzungen mit der Kettensäge, also schonungslos und radikal? Argentiniens Präsident hat es getan – und bei Experten für Insolvenzrecht in Hannover erntet er dafür großen Respekt.


  • Ohne Reibung: Wie steht es um die politische Kultur in Deutschland? Beim Neujahrsempfang der Ingenieurkammer redet der Journalist Jan Fleischhauer den Politikern ins Gewissen.

In Hannover beginnt heute das Januar-Plenum des Landtags. Hoffentlich haben es alle Abgeordneten rechtzeitig durch den Schnee geschafft...

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #016.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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