Allmählich werden die bisher noch offenen Personalfragen geklärt. Die allermeisten Bürgermeister und Landräte in Niedersachsen werden neu gewählt am 13. September dieses Jahres - also in gut 23 Wochen. 23 Wochen? Das klingt sehr lange hin - ist es aber gar nicht. Daher wird es nun allmählich Zeit mit den Kandidaturen.
Die Parteien und Wählervereinigungen sind jetzt eifrig dabei, die letzten Bewerber zu finden. Sie werden von den örtlichen Vorständen nominiert und dann in Aufstellungsversammlungen gewählt. Und dann startet auch schon der Wahlkampf. Da gibt es ganz unterschiedliche Vorgehensweisen. Es gibt Kandidaten, die befinden sich schon seit Monaten im Wahlkampfmodus, haben eigene Social-Media-Auftritte und verbreiten schon programmatische Aussagen. Andere wiederum schrecken dafür zurück, die Leute zu früh mit Wahlkampf zu konfrontieren. Sie nutzen diese erste Phase bis zu den Sommerferien zunächst nur, um sich selbst bekannt zu machen und Zugang zu der jeweiligen Stadtgesellschaft zu bekommen. Daneben sind noch die Amtsinhaber, die eine Wiederwahl ansteuern. Sie haben gar kein Interesse an einem zu frühen Wahlkampf, sie wollen möglichst lange von ihrem Amtsbonus zehren - und dieser Amtsbonus ist meistens mit einem überparteilichen, freundlichen und zugewandten Wesen verknüpft. Ein Amtsinhaber, der polarisiert in politischen Fragen - das gibt es selten.

Ein schönes Beispiel für die verschiedenen Varianten liefert die Landeshauptstadt Hannover. Amtsinhaber Belit Onay von den Grünen ist ganz das, was er darstellt: ein volksnaher Oberbürgermeister, ansprechbar und gesprächsbereit, engagiert und immer sehr repräsentativ. Es gab eine Zeit, da hat er gern bundesweit Debatten angestoßen oder begleitet. Derzeit wirkt er lieber nach innen, tritt dabei ruhig und überlegt auf. Sein Herausforderer von der SPD, Axel von der Ohe, bevorzugt eher das Modell Frühstarter. Er scheint parallel zwei Identitäten zu haben - eine als Dezernent im Rathaus und enger Mitarbeiter des OB, eine zweite als Wahlkämpfer und Konkurrent des OB. Seiner Rolle als Herausforderer entspricht es, dass er dabei zuweilen zugespitzter und offensiver wirkt als der Amtsinhaber. Die spannende Frage wird am Ende sein, ob ihn das dann sympathischer und wählbarer erscheinen lässt.

Der dritte von denen, die eine reale Chance auf den OB-Posten haben, ist bisher politisch noch gar nicht aufgefallen. Peter Karst von der CDU sei "nicht sichtbar", lästern die anderen Parteien. Ob das stimmt? Tatsächlich ist Karst bei verschiedenen Veranstaltungen zu sehen, er taucht in die Stadtgesellschaft ein. Aber eine zackige Forderung, ein analytisches Interview oder eine klare Positionierung in einer kommunalpolitischen Streitfrage sucht man bei ihm vergeblich. Er befindet sich offensichtlich noch in der politischen Aufwärmphase.
Mal sehen, wie all das ausgeht. Die anderen Bewerber - etwa die beiden Frauen Jessica Schülke (AfD) und Maren Kaminski (Linkspartei) - gelten eher als Außenseiterinnen. Spannend wird die OB-Wahl auf jeden Fall.

Der Rundblick von heute beschäftigt sich weniger mit der Kommunalwahl im September. Dies sind unsere Themen:
Ich wünsche Ihnen eine schöne vorösterliche Zeit - und allen Kandidaten einen glänzenden Start in den Kommunalwahlkampf, der beim einen früher und beim anderen später beginnen wird.
Klaus Wallbaum


