7. März 2026 · 
NotizKirche

Kommt ein Religionsunterricht ohne Jesus?

Die evangelischen Kirchen und die katholischen Bistümer in Niedersachsen wollen einen gemeinsam verantworteten Religionsunterricht anbieten. Am Lehrplan gibt es nun Kritik.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Hamburg (Grüne) weist die Kritik am Lehrplan für den neuen christlichen Religionsunterricht zurück. Das neue Fach habe „selbstverständlich die christlichen Inhalte, Themen, Handlungsperspektiven und Glaubenserfahrungen in Geschichte und Gegenwart im Fokus - und ist bekenntnisgebunden“, stellte Hamburg am Sonnabend in einer Mitteilung ihres Hauses klar. Anders sei ein christlicher Religionsunterricht „auch schlicht nicht denkbar.“ Es sei unzutreffend, dass christliche Inhalte an den Rand gedrängt werden soll. „Die aktuellen Schlagzeilen zum geplanten neuen Religionsunterricht in Niedersachsen verzerren die Tatsachen.“ In einem Beitrag der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), der am Freitag online und am Sonnabend in der gedruckten Ausgabe erschienen ist, heißt es über den Anhörungsentwurf zum neuen Kerncurriculum: „Von den rund 130 Aspekten, die für die Dauer des sechsjährigen Sekundarbereichs I verbindlich vorgeschrieben sind, haben fünf unmittelbar mit Jesus zu tun.“ Dieser Information stellt der Autor gegenüber, dass denselben Stellenwert auch Themen wie die „Meditationspraxis im Buddhismus“ oder die „sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe“ bekommen sollen. Zudem wird darauf verwiesen, dass „Jesus Christus“ im aktuellen Lehrplan noch einer von sechs Kompetenzbereichen sei. Hamburg erwidert nun in einer umfangreichen Stellungnahme: „Zentraler Gegenstand des Unterrichts sind biblische Texte, theologische Traditionen und das Wissen über das Leben engagierter Christinnen und Christen. Ich empfehle jedem, die Kerncurricula zu lesen – der Eindruck, der derzeit in einigen Medien vermittelt wird, stimmt nicht ansatzweise.“

Der religionspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Thore Güldner, spricht gar von einer „unsäglichen Kampagne“ gegen das neue Unterrichtsfach. „Hier wird bewusst mit Verzerrungen und Schlagworten gearbeitet, um Stimmung zu machen und gesellschaftliche Spaltung zu befeuern. Wer aus einem differenzierten religionspädagogischen Ansatz platte Parolen konstruiert, handelt verantwortungslos“, sagt Güldner und stellt klar: „Tatsache ist: Der neue christliche Religionsunterricht bleibt selbstverständlich bekenntnisgebunden und stellt christliche Inhalte, Traditionen und Glaubenserfahrungen klar in den Mittelpunkt.“ Bereits am Freitag hatte sich die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen zu dem NOZ-Artikel geäußert. Pressesprecher Benjamin Simon-Hinkelmann stellte in Bezug auf das Verfahren klar, dass sich beiden Entwürfe für die Kerncurricula Christliche Religion noch in der Anhörung befänden, die Endfassungen sollen Ende April vorliegen. Zum Inhalte sagte er: „Auf der Basis des Christentums werden religiöse Grundfragen des Menschen thematisiert und zugleich sollen die sich aus dem christlichen Glauben ergebenden Inhalte, selbstverständlich auch die Christologie, vermittelt werden.“

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #045.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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