Ach, wie schön. Der Second-Hand-Laden, wo ich als Studentin einen großen Teil meiner Garderobe gekauft hatte, war immer noch da. Das Stadtmuseum schien gerade dabei zu sein, sich komplett neu zu erfinden. Und wo früher die Innenstadt einfach zu Ende war, da findet heute in labyrinthartig verschachtelten und dabei ziemlich gemütlichen Gebäuden Medizinforschung statt. Ich habe mich im vorigen Sommer gefreut, dass mich die Sommerreise von Wissenschaftsminister Falko Mohrs wieder mal nach Oldenburg geführt hat. Mit ihm besuchte ich alle drei Universitätskliniken im Land und konnte sehen, dass überall kräftig gebaut wird.

Was sich gar nicht so sehr verändert hatte in Oldenburg, waren die Studierenden. Viele von ihnen, erfuhren wir in den Gesprächen beim Mittagessen, kamen aus dem Umland und wollten genau dort auch wieder hin. Eine Absolventin war bereits Teilhaberin einer Landarztpraxis im Oldenburger Münsterland geworden. Das Konzept für das Medizinstudium hier: viel Praxis vom ersten Semester an und Kooperationen mit Hausarztpraxen, um Nachwuchs für die ärztliche Versorgung in der Fläche zu finden. Passt genau, dachte ich.

Dann das Kontrastprogramm in der Universitätsmedizin Göttingen: Direkt begrüßt wurde der Minister mit der Ansage, dass hier die klügsten Köpfe Niedersachsens zu finden seien. Die müssen sich erstmal durch den „vorklinischen“ Studienabschnitt ackern und wissenschaftliches Arbeiten lernen, bevor sie auf einen lebendigen Patienten treffen. Wir stapften durch die Keller des alten Gebäudes, vorbei an Büscheln freiliegender Leitungen, und besuchten einige der klügsten Köpfe in ihren schlauchartigen Mini-Labors. Ich verstand, dass man sich hier sehnlichst einen Neubau wünscht. Und in Oldenburg auch, wo sich die Universitätsmedizin über die halbe Stadt und bis nach Bad Zwischenahn erstreckt. Und in Hannover sowieso.
Heute erfahren Sie im Rundblick, warum es gar nicht so einfach ist mit dem Bauen an Hochschulen. Mit Freude habe ich gelesen, dass der Campus für die Naturwissenschaften in Oldenburg immerhin schon ein Facelift bekommen hat. Ich fuhr mit dem Fahrrad zweimal die Woche dorthin zum Schwedischkurs. Montags und Mittwochs um Punkt acht Uhr, ohne akademisches Viertel. Ich fürchte, mir ist ziemlich viel Schwedisch durchgerutscht, während ich meine klammen Finger auftaute und mit dem Schlaf kämpfte. Aber das Gebäude ist trotzdem sehr schön.
Unsere Themen heute im Überblick:
Ich wünsche Ihnen einen nostalgischen Mittwoch!
Ihre Anne Beelte-Altwig


