14. Juni 2018
Soziales

Reimann: Der Investitionsstau in unseren Krankenhäusern ebbt allmählich ab

In Niedersachsen bekommen 14 Krankenhäuser für Baumaßnahmen insgesamt 120 Millionen Euro. Darauf habe sich der Krankenhausplanungsausschuss verständigt, teilte Sozialministerin Carola Reimann am Donnerstag in Hannover mit. „In diesem Jahr können wir alle fördern, die bauaufsichtlich geprüft wurden und Anträge gestellt haben“, sagte Reimann. Das sei in den vergangenen Jahren nicht der Fall gewesen. Die Sozialministerin sieht das auch als Zeichen dafür, dass der Investitionsstau, der sich über viele Jahre aufgebaut habe, nun abebbt. „Jetzt muss man dafür sorgen, das sich kein neuer aufbaut.“

Investitionsstau von mindestens 1,3 Milliarden Euro

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft ist anderer Meinung. Die bewilligten Landesmittel reichten bei Weitem nicht aus, um den tatsächlichen Investitionsbedarf der Krankenhäuser zu decken. „Eine Verbesserung der Lage ist damit nicht verbunden“, sagte Verbandsdirektor Helge Engelke. Er kritisierte, dass es schon seit Jahren bei den 120 Millionen Euro bleibe. Der Investitionsstau beliefe sich allerdings auf mindestens 1,3 Milliarden Euro. Die Grünen-Fraktion wiederum forderte, die 90 Millionen Euro auszuschütten, die immer noch im Sondervermögen für Kliniken verfügbar sind. Es sei unverständlich, warum das noch nicht geschehen sei, sagte Meta Janssen-Kucz, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion. Sie erwarte, dass diese Mittel nun spätestens im Herbst freigegeben würden. „Langfristig muss die Große Koalition für eine Erhöhung der Investitionskostenfinanzierung auf mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr sorgen – und zwar mit dem nächsten Haushalt“, forderte Janssen-Kucz. Reimann bemüht sich derweil um mehr Geld für Investitionen in Kliniken. Dazu habe es bereits ein Gespräch mit Finanzminister Reinhold Hilbers gegeben. Reimann verwies auf den Koalitionsvertrag, in dem man sich auf eine Erhöhung des Fördervolumens verständigt hatte.
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Rund die Hälfte der 120 Millionen Euro gehen in diesem Jahr nach Braunschweig, Hannover, Ganderkesee und Salzgitter. Beim Städtischen Klinikum Braunschweig werden drei Standorte auf zwei zusammengeführt. Dafür gibt es 20 Millionen Euro. In Hannover wird im Kinderkrankenhaus auf der Bult das Angebot zur Geburtshilfe des Klinikbetreibers Diakovere konzentriert. Die Umbaumaßnahmen werden mit 14,3 Millionen Euro gefördert. Das werde sehr maßgeblich die geburtshilfliche und pädiatrische Versorgung verbessern“, sagte Reimann. In Ganderkesee lohnt sich kein Umbau der 60 Jahre alten Kinder- und Jugendpsychiatrie  Wichernstift. Der Neubau wird mit 14,2 Millionen gefördert. In Salzgitter gibt es 13,1 Millionen Euro für den ersten von zwei Bauabschnitten beim Neubau des St.-Elisabeth-Krankenhauses.

Krankenhausbetten in somatischer Medizin rückläufig

Weiteres Geld kommt Reimann zufolge aus einem Strukturfonds des Bundes, aus dem Niedersachsen jährlich 94 Millionen Euro schöpfen kann. Mit den Mitteln würden gezielt Kooperationen und Zusammenschlüsse von Kliniken gefördert werden. Als Beispiel nannte sie die Schließung des Martin-Luther-Krankenhauses in Zeven. Die 80 Betten werden ins benachbarte Krankenhaus nach Bremervörde verlagert. Insgesamt ist die Zahl der Krankenhausbetten in der somatischen Medizin in Niedersachsen rückläufig. In den vergangenen zehn Jahren ging deren Zahl von 35.500 auf 33.600 zurück. Auch die Zahl der Kliniken sank in den vergangenen sechs Jahren von 192 auf 174. Die Schließungen hatte aber jeweils sehr unterschiedliche Gründe, so das Sozialministerium. Mehr Betten gibt es dagegen in der Psychiatrie. Hier stieg die Zahl in den vergangenen zehn Jahren landesweit von 5500 auf 6700.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #112.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum