Wir haben es schon immer geahnt: Im Herzen ist Pumuckl ein Niedersachse. Wenn er auf seiner Schiffschaukel Seemannslieder gröhlte, habe ich mich als Kind schon gefragt: Was macht ein Nachfahre der Klabautermänner bloß in einer Münchner Schreinerwerkstatt? Jetzt haben die Spieleentwickler der Oldenburger Firma Quantumfrog den Kobold endlich nach Hause und zu seinen maritimen Wurzeln zurückgeholt.

Das Plattform- und Rätselspiel „Pumuckl und die Krone des Piratenkönigs“ ist für die Spielkonsole "Nintendo Switch“ und den PC erschienen, und alle sind aus dem Häuschen. „‚Pumuckl und die Krone des Piratenkönigs‘ zeigt eindrucksvoll, wie wir Talente, Unternehmen und technologisches Know-how am Standort bündeln und weiter ausbauen“, sagt Nordmedia-Geschäftsführerin Meike Götz. Die niedersächsisch-bremische Mediengesellschaft hat das Spiel mit Landesmitteln unterstützt. Auch Grant Hendrik Tonne verfolgt Pumuckls Entwicklung schon lange: Mein Kollege Christian Wilhelm Link hat den Wirtschaftsminister im August 2025 auf die Gamescom, die Documenta der Spielebranche, begleitet, wo er sich das Spiel ausführlich erklären ließ. „Die Games-Branche ist ein wichtiger Innovations- und Wirtschaftsfaktor für Niedersachsen. Mit Projekten wie ‚Pumuckl und die Krone des Piratenkönigs‘ zeigen unsere Unternehmen ihre Kreativität und technologische Kompetenz“, kommentiert Tonne jetzt.
Überlassen wir das Weltall den Bayern, wir haben den Pumuckl! Da fällt mir ein, dass ich vor rund zwanzig Jahren schon über einen von Nordmedia veranstalteten Branchentreff der niedersächsischen Spieleentwickler berichtet habe. Damals war kein Minister dabei. In den Nullerjahren hatte die Branche alle Hände voll zu tun, die Politik zu überzeugen, dass sie noch etwas anderes kann als mit Ballerspielen die Jugend zu verderben. Das Verderben der Jugend hat inzwischen Social Media übernommen. Und geballert wird „in real life“ an mehr Orten auf der Welt, als man damals für möglich gehalten hätte. Für die Games-Branche freut es mich auf jeden Fall, dass sie die Anerkennung als Wirtschaftsfaktor bekommt, für die sie hart gearbeitet hat.

Der Pumuckl als Wirtschaftsfaktor ist übrigens nicht unumstritten, wie Christian Wilhelm Link und ich vor einer Weile bei der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) erfahren haben. Tobias Roeder, stellvertretender LHN-Hauptgeschäftsführer, sagte uns im Interview: „Handwerk ist heute hochmodern, digitalisiert und innovativ. Die veraltete Vorstellung von einer staubigen Werkstatt hält sich hartnäckig, aber sie ist längst überholt.“ Um es ganz schonungslos zu sagen: Es stimmt gar nicht, dass es in jeder Tischlerwerkstatt rumpelige Bretterstapel gibt, unter denen sich ein Kobold versteckt. Dem Image des heutigen Handwerks erweist die 1962 als Hörspiel gestartete und seitdem eher vorsichtig modernisierte Serie damit einen zweifelhaften Dienst.
Alles über die Talente, Kreativität und Kompetenzen Niedersachsens lesen Sie auch heute wieder bei uns:
Wenn Ihnen heute danach ist, ein Seemannslied zu singen, lassen Sie sich nicht stoppen!
Ihre Anne Beelte-Altwig


