16. März 2026 · 
TagesKolumne

Post-Apokalypse in Osterholz und Verden

So ist kein Staat zu machen: Wenn die Post keine Päckchen mehr zustellt, ist das Ende der Zivilisation nah. In Osterholz und Verden weht daher nun ein anderer Wind.

Vor mehr als zwanzig Jahren trendete die Rede von der Postdemokratie. Gemeint war damit keine Regierungsform, in der das Postwesen die Kontrolle übernommen hätte. Auch ging es nicht darum, dass die Stimmabgabe zunehmend per Briefwahl getätigt wird. Und erst recht beschrieb der Begriff keinen Zustand, in dem sich der demokratische Staat allein auf die Kernaufgabe der Briefzustellung beschränkt hätte. Selbstverständlich erklärten kluge Köpfe wie Colin Crouch damals den Zustand moderner Staaten als einen, der die Demokratie in gewisser Weise überwunden hätte. Der Westen nach der Demokratie – leben wir da längst?

Auslöser für meine Post-Nostalgie war eine Pressemitteilung, die mir vergangene Woche auf elektronischem Wege zugestellt wurde. In der Betreffzeile sprang mich das Wort „Postkatastrophe“ an. Irgendetwas musste in Osterholz und Verden geschehen sein, etwas Dramatisches, etwas Desaströses, etwas Desolates! Und nun, in der Welt danach, sind die Folgen immer noch zu spüren. Wie eine posttraumatische Belastungsstörung, oder Post-Covid – alles Dinge, die man wirklich keinem wünscht.

Postkatastrophe: Keine Rechnung. Keine Briefwahlunterlagen. Nichts. | Foto: Michael Burrell via Getty Images

Was also ist geschehen in den Kreisen Osterholz und Verden? Der heimische Abgeordnete Andreas Mattfeldt (CDU) hakt nach und klärt auf! Denn scheinbar kommt es in den ländlichen Regionen rund um Bremen immer wieder zu unhaltbaren Zuständen: Wiederholt sei die Post nicht rechtzeitig zugestellt worden. Immer wieder kommen die Mahnungen schneller als die Rechnungen. Manchmal kommt auch einfach gar nichts. Das sind wahrlich postapokalyptische Zustände, wie man sie sonst nur aus zahlreichen Endzeitfilmen kennt. Wie merkt man sonst, dass die Menschheit in den Metropolen von einer Seuche, Außerirdischen oder Zombies dahingerafft wurde, wenn nicht durch das Ausbleiben der Postzustellung?

Daran, dass die Zeitung nicht mehr im Briefkasten landet, merkt man es jedenfalls nicht. Das kommt, habe ich mir sagen lassen, nicht nur rund um Bremen, sondern auch rund um Hannover regelmäßig vor. Wie gut, dass der Rundblick nicht gedruckt wird und hoffentlich wieder pünktlich in Ihrem Posteingang lag. Unsere Themen sind diese:

  • Post-Smartphone: Lehrer und Schulleiter wünschen sich Rückendeckung vom Staat bei der Durchsetzung von Handy-Verboten. Der Schülerrat und die GEW setzen derweil auf Akzeptanz durch Partizipation.


  • Blitzer-Post: Blitzerfoto in Niedersachsen, Auto aus dem EU-Ausland: Weil Verfahren oft zu lange dauern, fordern Land und Verkehrsexperten längere Fristen für Bußgelder.


  • Post-Kapitalistisch: Die Mitgliederzahl der Linken hat sich seit Anfang 2025 verdreifacht. Dieser Aufschwung belebt – aber es gibt ein Problem mit der Abgrenzung zum Antisemitismus.

Postscriptum: Die Post in Osterholz und Verden ist nun gewissermaßen ein Beobachtungsobjekt der Bundesnetzagentur. Die „Mattfeldt-Intervention“ zeigt Wirkung. Krankenstand, Prime-Week und Schneechaos lässt der CDU-Politiker ab sofort nicht mehr gelten!

Viel Spaß beim Öffnen Ihrer Rechnungen wünscht

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #050.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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