Die politische Realität ist häufig weniger schön. Schlechtsitzende Anzüge. Mittelmäßige Reden. Grauenerregende Umfrageergebnisse. Durchschaubare Manöver. Und damit sind wir noch lange nicht bei der technischen Performance angekommen. Die lässt ja neuerdings auch zu wünschen übrig.
Das sage nicht ich, sondern der Vorsitzende des Normenkontrollrates. Lutz Goebel rügte das neue Heizungsgesetz in der Bild-Zeitung als „überkompliziert und kaum umsetzbar“. Das Gesetz gehöre „zu den handwerklich schwächsten und praxisfernsten Vorhaben“, mit denen sich das Gremium in den vergangenen Jahren beschäftigen musste. Kaum jemand weiß noch, was die Regierung eigentlich will. Vermutlich liegt das daran, dass sie es selber nicht so ganz genau weiß.
Umso schöner ist es doch, wenn im politischen Raum auf einmal klare Botschaften platziert und in eleganter Weise dargeboten werden. Das sprachliche Bild liegt nicht jedem, schnell gerät da etwas auf schiefer Ebene ins Wanken. Besonders schön ist es doch aber, wenn Beobachter ein Bild betrachten, es aufnehmen und weitermalen.

So tat es in der vergangenen Woche beispielsweise Stefan Kolev, der Direktor des Ludwig-Erhard-Forums. In einem Podcast nahm er Javier Mileis Kettensäge, legte sie behutsam zur Seite und empfahl der Bundesregierung stattdessen: eine Heckenschere. Weniger poetisch ausgedrückt: Reformen am Sozialstaat ja, radikale Systembrüche nein.
Ein anderes Bild vollendete kürzlich jemand in einem Hintergrundgespräch. Die Urheberschaft behalte ich deshalb einstweilen für mich. Er meinte, eine Brandmauer lösche doch keine Brände. Deshalb müsse man an das brennbare Material ran, den Unrat müsse man wegschaffen. Weniger lyrisch hieß es dann: Fehler benennen und korrigieren, Erfolge feiern, Lust auf Zukunft machen!
Weitere Tipps zur Brandbekämpfung hören Sie auch in unserer neuen Podcast-Folge. Darin sagt Diakonie-Chef Hans-Joachim Lenke in Bezug auf die Pflegereform: „Wenn die Hütte brennt, dann rufe ich nicht den vorbeugenden Brandschutz, sondern die Feuerwehr.“ Soll heißen: Prävention ist gut und richtig, aber das Pflegesystem braucht jetzt andere Medizin. Die gesamte Analyse hören Sie hier:
Im Rundblick lesen Sie heute diese Themen:
Starten Sie gut in die neue Woche
Ihr Niklas Kleinwächter


