Wir treten an, um zu bleiben. Wir haben schon genug ehemalige Vorsitzende in dieser Partei!
Nun gilt der SPD-Bezirk Hannover innerhalb der Sozialdemokratie schon seit langer Zeit als eher „links“, und so ist es kein Wunder, dass alle starken Sprüche in bestimmter Richtung hier ordentlich belohnt werden. Wenn es um die Schuldenbremse geht, sind es diejenigen, die sich klar dagegen aussprechen. Wenn es um die Stärkung der Gewerkschaften geht, um die Ablehnung der „sachgrundlosen Befristung“ und die Besserstellung der Pflegekräfte, dann werden immer jene mit besonders kräftiger Zustimmung bedacht, die eindeutig dafür sind. Da schneidet Pistorius wohl auch deshalb nicht so gut ab, weil sein Statement zuweilen sehr abgewogen klingt. Soll man die Schuldenbremse abschaffen? „Wir brauchen ein Investitionsprogramm und müssen die Schuldenbremse in Frage stellen“, sagt er. Das ist viel vorsichtiger als das, was der Gewerkschafter Dierk Hirschel (im Team mit der Parteilinken Hilde Mattheis) vorträgt: „Eine Schuldenbremse bremst so wenig die Schulden wie eine Handbremse die Hand bremst. Sie muss weg, und zwar schnell.“ Das löst weit stärkere positive Reaktionen aus.
In Hannover sind Lauterbach und Scheer, die am eindeutigsten für den Ausstieg aus der Großen Koalition plädieren, unter denen mit der stärksten Zustimmung. Auch Roth und Kampmann, die jüngeren, wirken schwungvoll und kommen damit an. „Lasst uns wieder für eine starke SPD kämpfen“, ruft Kampmann im Schluss-Statement – und erntet damit fast so etwas wie tosenden Applaus. Olaf Scholz und seine Partnerin Klara Geywitz, die in der Befragung mehrfach mit Vorhaltungen konfrontiert werden, sie seien ja eigentlich für die Fortsetzung der Großen Koalition, ernten durchweg braven Applaus. Es gibt keine Phase, in der Scholz offen Kritik oder Unmut entgegenschlägt – obwohl vermutlich die Mehrheit im Saal für den Ausstieg der SPD aus der Bundesregierung plädieren würde. Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans, der von den Jusos unterstützt wird, den mitgliederstärksten Landesverband NRW für sich mobilisieren könnte und nach der ersten Regionalkonferenz in Saarbrücken von manchen als Favorit gegolten hatte, erntet stets auch eher milde Reaktionen, vergleichbar mit denen für Pistorius und Köpping. Und Gesine Schwan neben Ralf Stegner, die in Saarbrücken als „besonders sympathisch“ angesehen wurden, spielen in Hannover auch eher eine Nebenrolle.
Nach den Schluss-Statements erhält Stegner, der bei vielen so ungeliebte, mehr Beifall als Niedersachsen-Kandidat Pistorius. Da ist für ihn noch Luft nach oben. (kw)

