Pflegende Angehörige können Hilfe in Anspruch nehmen, wissen aber oftmals gar nicht, dass es diese Hilfe überhaupt gibt. Das geht aus einer Studie des Umfrageinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentralen hervor.
Der Sozialverband Deutschland in Niedersachsen (SoVD) fordert von der Politik deshalb mehr Geld, um zum Beispiel Pflegestützpunkte personell weiter auszubauen und flächendeckender anzubieten. Aber auch die Pflegekassen seien in der Pflicht. Sie hätten schließlich direkten Kontakt zu ihren Versicherten und müssten ihre Formulare und Anschreiben so formulieren, dass man sie als Laie verstehen könne. „Auch hier gilt: Der Service muss bei der persönlichen Beratung ausgeweitet werden. Pflegekassen müssen gewährleisten, dass die Betroffenen im Fall der Fälle auch von ihnen persönlich betreut werden“, sagte der SoVD Landesvorsitzende Adolf Bauer dem Politikjournal Rundblick.
Auch die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz plädierte dafür, Pflegeberatungsstellen personell aufzustocken. Derzeit bekäme man noch über die Krankenkassen am ehesten Beratung. Neben mehr Personal und einer besseren Öffentlichkeitsarbeit fordert Janssen-Kucz aber auch, die Pflegeanträge zu vereinfachen. „Wenn wir über Barrierefreiheit sprechen, muss diese auch bei den Anträgen an die Pflegekasse möglich sein. Sie sind viel zu kompliziert.“
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Die Forsa-Studie stellt dringenden Informations- und Aufklärungsbedarf bei pflegenden Angehörigen fest. Die wichtigste Informationsquelle ist für die Betroffenen das Internet. Dort bereitgestellte Informationen würden aber als unüberschaubar und eher verwirrend eingeschätzt, heißt es. Bestehende Beratungsangebote erreichten die Zielgruppe häufig nicht. „Die Mehrheit der befragten Angehörigen kannte Pflegeberatungsstellen und Pflegestützpunkte nicht oder nutzte sie nicht“, teilte die Verbraucherzentrale Niedersachsen mit. Beratungsgutscheine der Pflegekassen seien häufig unbekannt. Angehörige hätten den Wunsch, von Pflegekassen und Krankenhäusern aktiv beraten zu werden.
Wenn es um die Pflege geht, sind die fehlenden Informationen für Angehörige für die Politik in der Politik nur eine Baustelle von mehreren. Eine Anfrage der Grünen im Bundestag ergab, dass in Niedersachsen in der Alten- und Krankenpflege fast 3000 Stellen nicht besetzt sind. In der Altenpflege kämen auf 100 offene Stellen 15 Bewerber, in der Krankenpflege liege das Verhältnis bei 100 zu 40. „Das Problem müssen wir ernst nehmen. Der Fachkräftebedarf ist groß“, sagte Uwe Hildebrandt, Sprecher des Sozialministeriums.
Die von Union und SPD auf Bundesebene versprochenen 8.000 zusätzlichen Stellen in der Pflege, von denen auf Niedersachsen rund 800 Stellen entfallen dürften, bezeichnete Hildebrandt als ersten Schritt. Als einzelne Maßnahme reiche es natürlich nicht aus. Leistungen müssten auch anständig vergütet werden. Eine größere Attraktivität des Berufs verspricht sich Hildebrandt auch von der Pflegekammer und der generalistischen Pflegeausbildung, also der einheitlichen Ausbildung von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegern.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #79.