19. Juli 2022
Soziales

Pflege von Angehörigen: Altenhilfe-Verband warnt vor erhöhtem Armutsrisiko

Sven Schumacher, Vorsitzender des Niedersächsischen Evangelischen Verbands für Altenhilfe und Pflege (NEVAP), sieht ein besonderes Problem in der Sozialpolitik: „Die Pflege von Angehörigen erhöht das Armutsrisiko – gerade das von Frauen.“ Damit die Pflege nicht zur Armutsfalle wird, müsse die Politik gezielt gegensteuern. Pflegende Angehörige stünden vor vielfältigen Herausforderungen. Sie hätten kaum die Chance, in Vollzeit zu arbeiten. Dies führe dazu, dass auch die Rentenansprüche geringer ausfallen und damit die Altersarmut von pflegenden Angehörigen vorprogrammiert sei.

Deshalb fordert der NEVAP die Weiterentwicklung des Pflegegelds, um so die Verdienstausfälle durch die Übernahme der Pflege zu kompensieren. Pflegende Angehörige benötigten in ihrem Alltag nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch psychische und physische Entlastung. „Eine pflegende Angehörige kann nicht nach acht Stunden Arbeitszeit in den Feierabend gehen – das ist ein 24/7 Job, ohne Pause und Urlaub. Sie brauchen aber Entlastungszeiten, um Kraft zu tanken. Deshalb schlagen wir vor, ein Entlastungsbudget zu implementieren, das individuell für einen Verhinderungs- oder Kurzzeitpflegeplatz eingesetzt werden kann“, betont Schumacher. 

Dieser Artikel erschien am 20.7.2022 in Ausgabe #136.