Pflege: Viel mehr Bewerber aus dem Ausland – und dennoch nicht genug
In der Krankenpflege ist die Zahl der Bewerber aus dem Ausland in den vergangenen Jahren um fast 150 Prozent gestiegen. Das geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor. Demnach gab es im Jahr 2013 im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege knapp 230 Anträge auf Anerkennung eines ausländischen Abschlusses. Im Jahr 2016 waren es fast 560 und damit etwa 145 Prozent mehr. Auch in diesem Jahr zeichnet sich eine ähnlich hohe Zahl ab. In der EU kamen Bewerber schwerpunktmäßig aus Rumänien. Bei den Drittstaaten kamen viele Bewerber aus Indien, Bosnien-Herzegowina sowie Serbien, teilte das Sozialministerium auf Rundblick-Nachfrage mit. Generell seien jedoch Anträge aus allen Erdteilen zu verzeichnen.Zahlenmäßig kaum eine Rolle spielen Anträge von Kinderkranken- oder Altenpflegern. Hier gab es aus der EU und aus Drittstaaten im vergangenen Jahr insgesamt gerade einmal 22 Anträge. Hintergrund ist, dass es in anderen Ländern vor allem in der Altenpflege keine entsprechende Spezialisierung gibt, wie sie in Deutschland existiert. Die Anerkennung in Deutschland ermöglicht allerdings grundsätzlich einen flexiblen Einsatz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, heißt es aus dem Sozialministerium.https://soundcloud.com/user-385595761/das-bedeuten-fehlende-pflegekrafte-in-der-nachtschichtDie große Steigerung bei der Bewerberzahl in der Gesundheits- und Krankenpflege ist für die Branche dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das ist keine wirkliche Linderung der Not. Punktuell mag das etwas helfen, aber in der Gesamtheit merken wir das fast gar nicht“, sagt Henning Steinhoff, Leiter der niedersächsischen Landesgeschäftsstelle des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (BPA), im Gespräch mit dem Rundblick. Der Verband hält Einwanderung für elementar, um die Fachkräftelücke zu schließen. Allein mit Fachkräften aus dem Inland sowie Digitalisierung und Robotik werde sich die Lücke in den kommenden Jahren nicht schließen lassen. „Deshalb brauchen wir ein modernes Einwanderungsgesetz“, fordert Steinhoff. Außerdem müsse es eine zentrale Bundesanerkennungsstelle für Berufsabschlüsse geben. Aktuell sei es so, dass Bewerber in Niedersachsen und Hessen teilweise vor unterschiedlichen Hürden stünden.Auch die Anerkennungsverfahren dauern Steinhoff zu lange. Aus dem Ministerium heißt es, alle Verfahren würden „nach Vorliegen der Entscheidungsreife innerhalb der gesetzlichen Frist beschieden“. Sie beträgt für Anträge aus der EU drei Monate und für Antragsteller aus Drittstaaten vier Monate. „In der Regel wurden die getroffenen Entscheidungen dann innerhalb von einer Woche in die Post gegeben“, so das Ministerium. Dennoch müssen Bewerber immer wieder über ein Jahr warten. Offenbar ist also der Zeitraum bis zur Entscheidungsreife die Herausforderung.Der BPA wünscht sich auch eine Initiative der Bundesregierung, um Fachkräfte aus Drittstaaten anzuwerben. Das passiert bisher nicht, erst recht nicht auf der Ebene der Länder. Allerdings sei man mit den Niederlanden derzeit im Austausch über die weitere Entwicklung der Pflegelandschaft und der Fachkraftsituation in beiden Ländern, heißt es aus dem niedersächsischen Sozialministerium. Konkret gehe es dabei um Fragen einer grenzüberschreitenden Ausbildung oder der gegenseitigen Anerkennung der Berufsabschlüsse.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #114.