13. Okt. 2021
Gesundheit

Parteien diskutieren über Long-Covid-Forschung

Die CDU-Landtagsfraktion hat am Mittwoch das Thema der Long-Covid-Forschung in den Mittelpunkt der aktuellen Plenardebatte gerückt. Jörg Hillmer (CDU) sagte, die Ursachen und Ausdrucksformen von Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung seien immer noch nicht ausreichend erforscht. Deshalb sei es richtig und sinnvoll, die Arbeit der niedersächsischen Forschungseinrichtungen besser zu vernetzen und finanziell zu fördern.

Mehr Tests in Laboren untersuchen lassen? Der Experte des Sozialministeriums hält davon wenig - Foto: Satyrenko

Aus dem Wissenschaftsministerium seien schon 27 Millionen Euro für diese Vorhaben geflossen, eine Vertiefung und Verbesserung der Forschung sei aber erforderlich. Minister Björn Thümler (CDU) erklärte, er sei in Gesprächen mit Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) darüber, dass weitere Mittel aus dem Corona-Sondervermögen für diesen Bereich eingesetzt werden können. „Wir haben eine Verantwortung für die Gesellschaft, hier tätig zu werden“, hob der Minister hervor.

Heftiger Disput zwischen
Minister Björn Thümler und Lars Alt

Wie Thümler erklärte, sei die Datenbasis noch zu schwach. Das Cofoni-Netzwerk in Niedersachsen habe schon viele wichtige Erkenntnisse zutage gefördert, 18 Teilprojekte liefen schon. Aber viele wichtige Fragen blieben noch unerforscht. Das betreffe beispielsweise die Schlafkrankheit, die sich in ständiger Müdigkeit und Erschöpfung äußere. „Wir haben das lange unterschätzt“, sagte der Minister. Einer von denen, die in Niedersachsen an Corona forschen, sei selbst betroffen – und breche bei jedem längeren Gespräch in Schweiß aus, da jede Unterhaltung für ihn hoch anstrengend sei. Er sei nicht nur ein Beispiel dafür, was Long Covid heißen könne – sondern auch dafür, dass viele Menschen im Umfeld der Betroffenen die nötige Aufmerksamkeit für dieses Thema noch nicht hätten. Annette Schütze (SPD) forderte, den Blick vor allem auf die jungen Menschen zu richten. Die Jugendlichen über 12 Jahre hätten erst seit August eine Impfempfehlung, für die Kinder unter 12 gebe es noch keinen Impfstoff. Auf der anderen Seite sei bekannt, dass bis zu einem Drittel der Genesenen noch ein Jahr später an Kurzatmigkeit und ständiger Müdigkeit leide. Gerade die Folgen für die Heranwachsenden müsse man genau untersuchen. Einen heftigen Disput gab es zwischen Thümler und Lars Alt (FDP), der pauschal behauptet hatte, das von Thümler geführte Ministerium sei in Niedersachsen noch nicht so weit wie in anderen Ländern und „kein Vorreiter“ in dieser Frage gewesen. Der Minister entgegnete, der FDP-Politiker Alt ignoriere die Arbeit der Forscher. Julia Hamburg (Grüne) ergänzte, ein wichtiger Beitrag für den Schutz junger Menschen sei der Einbau von Luftfiltern in Schulen – aber hier bewege sich die Große Koalition leider nicht. Thümler widersprach: Die Sache mit den Luftfiltern sei zum einen umstritten, zum anderen Zuständigkeit der Kommunen als Schulträger.

Corona-Beschränkungen noch bis Februar? 

Die FDP hatte Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) vorgeworfen, sie habe noch im Sozialausschuss erklärt, bei einer Impfquote von 85 Prozent bei den Menschen über 18 gebe es keinen Grund mehr für Corona-Beschränkungen. FDP-Chef Stefan Birkner meinte, nach jüngsten Einschätzungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) sei diese Quote schon fast erreicht. Behrens widersprach: Nach RKI-Schätzungen könne die Impfquote höher liegen – aber nicht wesentlich höher als die offizielle Zahl von 67,3 Prozent der Erwachsenen. Sie plädiere weiter für Vorsicht, solange noch keine verlässlichen neuen Zahlen vorlägen. Nach wie vor seien 2 Millionen Niedersachsen nicht geimpft, und der Impffortschritt mit 0,1 Prozent täglich sei sehr gering. Dass Maskenpflichten, Abstandsregeln und regelmäßiges Lüften ein Ausdruck von „Unfreiheit“ seien, wie es Birkner nahelege, könne sie nicht nachvollziehen. Behrens bestätigte, dass eine Impfquote von 85 Prozent der Erwachsenen eine Lockerung möglich mache – noch sei man davon aber entfernt. Oliver Lottke (SPD) meinte, es könne „Frühjahr 2022“ werden, bis „die Normalität möglich“ sei. Christian Fühner (CDU) widersprach Birkners Forderung nach einem „Freedom-Day“ – dies wecke Assoziationen an Großbritannien, aber die Corona-Politik von Premierminister Boris Johnson könne nicht vorbildlich sein. Meta Janssen-Kucz (Grüne) riet generell zur Vorsicht in der Corona-Krise. „Jetzt kommt der Herbst und damit steigen die Infektionen. Wir sollten die Schutzvorkehrungen jetzt nicht voreilig lockern.“

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #182.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum