Olaf Lies, Wirtschafts- und Bauminister, fordert einen Wandel der Baukultur, von dem vor allem Kinder und Jugendliche profitieren. „Wir brauchen Schulen, die jungen Menschen gerecht werden und die nicht nur Lernräume, sondern auch Aufenthaltsräume sind“, sagte Lies beim Baukultur-Symposion „Young and fresh“ in Hannover. Dabei müsse man sich von der Praxis verabschieden, nur das Nötigste zu tun und „einfach nur in irgendeiner Ecke einen Werkraum einzurichten“.

Die niedersächsischen Bildungseinrichtungen müssten im Neubau und im Umbau auch für „andere Formen der Nutzbarkeit“ gestaltet werden – zum Beispiel als Freizeitzentren, forderte der SPD-Politiker. Die Ausrede, dass eine Schule am Nachmittag nicht für Jugendliche zur Verfügung stehen kann, weil der Hausmeister dann nicht verfügbar ist, will Lies nicht mehr gelten lassen. Bei der Gestaltung von Grünflächen und öffentlichen Plätzen plädiert der Bauminister für mehr „verzehrfreie Räume der Begegnung“, wo sich junge Menschen treffen können, ohne ein gastronomisches Angebot in Anspruch nehmen und Geld ausgeben zu müssen. Und damit diese Orte auch tatsächlich genutzt werden, tritt Lies dafür ein, Kinder und Jugendliche verstärkt am Planungsprozess zu beteiligen.
Wie das Planen für und mit jungen Menschen gelingen kann und welche Bildungsräume nach der Corona-Pandemie erforderlich sind, waren die zentralen Themen des Symposiums, zu dem das Wirtschaftsministerium und die Architektenkammer Niedersachsen eingeladen hatten. „Baukultur ist Diskussionskultur“, sagte deren Vizepräsident Christoph Schild und legte zu diesem Zweck den ersten Baukultur-Bericht für Niedersachsen vor. Die Broschüre sei sowohl ein Situationsbericht als auch ein Impulspapier, um die Debatte über die Baukultur im Land zu befeuern.
„Auch Klimaschutz ist Baukultur“, sagte Architektenkammer-Präsident Robert Marlow und betonte: „Wir haben nur noch dieses Jahrzehnt, um eine Bauwende herbeizuführen.“ Für Marlow ist dabei vor allem eines wichtig: „Wir müssen die graue Energie wahren, wir müssen jeden Abriss kritisch hinterfragen.“


