17. Apr. 2018
Finanzen

Nord/LB-Vorstandschef: Wir sind gut aufgestellt, aber müssen fitter werden

Der Vorstandsvorsitzende der Nord/LB, Thomas Bürkle, sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg – bereitet es aber auch auf größere Umstellungen vor. Die sogenannte „harte Kernkapitalquote“, die das Eigenkapital der Landesbank kennzeichnet, lag Ende März bei 12,2 Prozent. Sie solle auf „mindestens 13 Prozent steigen“, damit die Bank den Anforderungen der Finanzaufsicht genügt, für die Zukunft eine gestärkte Krisenresistenz hat und „geschäftliche und strategische Handlungsspielräume eröffnet“ würden. Zu diesem Zweck gebe es derzeit intensive Gespräche zwischen der Bank und ihren Trägern, also den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, sowie den Sparkassen der beiden Länder und von Mecklenburg-Vorpommern. Geprüft würden mehrere Möglichkeiten, darunter auch „eine mögliche Öffnung für privates Kapital“. Auch die Umwandlung der bisherigen Anstalt öffentlichen Rechts in eine Aktiengesellschaft komme in Betracht. Derzeit gebe es aber „noch keine belastbaren Entscheidungen“. Bürkle sagte, dass er „noch in diesem Jahr entscheidungsreife Beschlüsse“ erwarte. Auf Nachfragen ließ er erkennen, dass er eine Aufteilung der Bank in mehrere kleine selbstständige Einheiten nicht für erstrebenswert hält. Die Frage sei, ob ein solches Modell im Sinne der Träger sei. Der Nord/LB-Chef betonte, seine Bank agiere hier derzeit aus einer Position der Stärke heraus: „Es geht nicht darum, etwaige Kapitallücken zu füllen. Die Bank ist im grünen Bereich. Es geht aber um die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft.“  
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  Die Nord/LB hat 2017 ein Konzernergebnis von 135 Millionen Euro plus erzielt, Ende 2016 waren es noch knapp zwei Milliarden Euro minus gewesen. Eine Belastung ergibt sich aus den Schiffsfinanzierungen, bei denen viele „faule“ Kredite vermutet werden. Das Portfolio sollte eigentlich bis Ende 2018 auf 12 bis 14 Milliarden Euro sinken, bis Ende 2017 erreichte die Bank aber schon einen Wert von 12,1 Milliarden Euro. Der Anteil der „notleidenden“ Schiffskredite liegt bei 8,2 Milliarden Euro, die Bank will ihn bis Ende 2019 auf 5 Milliarden Euro drücken. Dabei plant die Nord/LB, sich nicht vollständig aus dem Geschäft der Schiffsfinanzierungen zurückzuziehen. Man werde sich stärker auf Fähren und Kreuzfahrtschiffe und weniger auf Containerschiffe, Tanker und Bulker (Massengutfrachter) konzentrieren. Als weitere Geschäftsfelder nennt die Bank die Erneuerbare Energien, wobei es hier zunehmend Mitbewerber gebe, die Infrastruktur und die Flugzeuge. Ein Programm zur Kostensenkung und Prozess-Vereinfachung solle greifen, außerdem will die Bank bis Ende 2020 insgesamt 1250 ihrer 6450 Mitarbeiterstellen abbauen, mit 430 Stellen der inzwischen einverleibten Bremer Landesbank ist begonnen worden, das Programm trägt das Codewort „Isabella“. Die Bank will mit ihren Reformen nicht nur frühzeitig auf mögliche schärfere Auflagen der Bankenaufsicht reagieren, sondern auch die Rating-Agenturen beeindrucken. An die Verringerung der „notleidenden“ Schiffskredite und die Stärkung des Eigenkapitals wird die Hoffnung geknüpft, wieder das begehrte A-Rating zu bekommen.

Anteile an private Investoren?

Was mögliche Änderungen der Rechtsträgerschaft der Nord/LB und Hilfen des Landes angeht, steht der Vorstand um Bürkle im engen Kontakt mit den Trägern – in erster Linie mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers. Von den anderen Trägern, den Sparkassen und dem Land Sachsen-Anhalt, war wiederholt das Signal gekommen, bei einer möglichen Kapitalerhöhung der öffentlichen Träger voraussichtlich nicht mitwirken zu wollen. Ein Modell besagt, dass das Land Niedersachsen als bisher größter Aktionär zunächst das Eigenkapital der Nord/LB verstärkt und im nächsten Schritt das Land dann Anteile an private Investoren überträgt.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #73.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum